Thanksgiving wird in den USA immer am vierten Donnerstag im November gefeiert – mit einem großen Truthahnessen im Familienkreis. Nächste Woche ist es wieder soweit: Geschwister, Onkel und Tanten reisen aus entfernten Bundesstaaten an. 2016 war das anders. Der heftige Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton hat offenbar arg am Familienfrieden gerüttelt - sagen amerikanische Wissenschaftler. 

Die Forscher stützen ihre These auf Handy-Bewegungsdaten. Unsere Smartphones plaudern über verschiedene Apps, zum Beispiel Google Maps, fortwährend ihre geographische Position aus. Es gibt Dienstleister, bei denen man diese gesammelten Bewegungsdaten kaufen kann.

Zwei Wirtschaftswissenschaftler von der  Washington State University haben sich solche Bewegungsdaten besorgt und analysiert: Wie haben sich die Handy-Besitzer am Thanksgiving-Tag 2016 bewegt oder wo haben sie zusammengehockt. Dabei kam heraus:

"Bei Familien mit Trump-Fans und Hillary-Anhängen fiel 2016 das Truthahn-Dinner im Schnitt 20 bis 30 Minuten kürzer aus, und es kamen weniger Familienmitglieder zusammen als 2015."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Die Forscher schätzen, dass dadurch 27 Millionen Stunden für innerfamiliäre Diskussionen verloren gegangen sind. Sie haben sich sehr detaillierte Zahlen über das Wahlverhalten der Menschen besorgt und das mit den Geodaten abgeglichen: Den Ort, wo ein Handy in den drei Wochen vor Thanksgiving war, haben sie als Heimatort angenommen. Wenn jetzt in dem Bezirk 75 Prozent Trump gewählt haben, konnten sie das mit einer 75-prozentigen Wahrscheinlichkeit für die Leute dort annehmen. Die Beobachtungen der Forscher sind also nicht konkret auf Einzelpersonen bezogen belegt, sondern statistisch. Aber sie haben immerhin Daten von 10 Millionen Leuten ausgewertet.

Wieso es am Wahlkampf lag

Die Wirtschaftswissenschaftler haben zusätzlich Daten über die im TV gesendeten Wahlspots ausgewertet. In den sogenannten Swing States mit unentschlossener Bevölkerung sind diese Spots besonders intensiv ausgestrahlt worden. Und genau dort ist der Effekt mit der verkürzten Essens-Dauer und weniger Reisen aufgetreten - woanders nicht.

Zusätzlich haben die Forscher versucht, sicher zu gehen, dass der Effekt wirklich kein Zufall ist, auch das Wetter oder eine Grippewelle könnten ja eine Rolle gespielt haben. Deswegen haben sie nur Familien ausgewertet, die relativ nah beieinander leben, die also von Wetter oder Grippe jeweils gleich betroffen wären.

"Spannend fände ich, ob bei uns mit der AfD etwas Ähnliches beginnt. Da sagen vielleicht manche nicht mehr, wen sie wählen, um Streit unterm Weihnachtsbaum zu vermeiden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova