Ein heimlicher Crush, die peinlichste Party-Story oder der große Lebenstraum: Nicht jedem würden wir davon erzählen. Unseren besten
Freunden aber vielleicht schon. Warum? Weil es verbindet, sagt der Freundschaftssoziologe Janosch Schobin.
Manche Freundschaften leben von geteiltem Wissen und intimen Details – andere wiederum kommen mit weniger aus. Dabei teilen wir unsere ganz persönlichen Gedanken eher mit guten Freunden. So ein Austausch verbindet. Man kann dann besser aufeinander eingehen und versteht sich leichter, sagen Menschen, wenn man sie dazu befragt.
Freundschaften leben vom Wissen übereinander
Dabei macht das Wissen übereinander Freundschaften einfacher und überhaupt erst möglich, sagt der Freundschaftssoziologe Janosch Schobin vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt am Main: Geheimnisse zu teilen ist wichtig und zeichnet gute Freundschaften aus. Es zeigt auch, wem wir vertrauen. Und: Geheimnisse sind ein Geben und Nehmen. Wir teilen etwas Geheimes und bewahren es.
Geheimnisse sind eine Art Pfand
Historisch betrachtet waren Freundschaften mehr wie ein Vertrag und man hat sie geschlossen, indem man sogenannte "Lebenspfänder" austauschte. So ein Lebenspfand symbolisierte die unauflösliche Beziehung zwischen zwei Menschen. Im Hörsaal-Vortrag "Symbolische Lebenspfänder und Intimkommunikation - Versuch einer verallgemeinerbaren soziologischen Theorie der Freundschaft" berichtet der Soziologe davon.
"Also ich konnte dir so ein Symbol geben, und damit habe ich mich zu etwas verpflichtet. Und wenn ich diese Verpflichtung nicht eingehalten habe, dann konntest du das Symbol kaputt machen und damit meine Person schädigen."
Weil diese Lebenspfänder immer einen sozialen Wert hatten, waren sie mit der persönlichen Ehre und dem Ansehen verknüpft.
Geheimnisse bei falschen Freunden sind gefährlich
Heute schließen wir Freundschaften weniger formal. Aber als eine Art Relikt könnte man heute intime Informationen oder Geheimnisse ansehen, die wir tauschen. Die Funktion aus soziologischer Sicht bleibt ähnlich, sagt Janosch Schobin.
"Dieses Tauschen und Teilen von Lebenspfändern produziert so eine Art Geiseltausch. Das macht einen wechselseitig füreinander verletzbar, wechselseitig füreinander angreifbar."
Das Ganze funktioniert also nach dem Motto "Solange du meine Geheimnisse für dich behältst, sind deine bei mir sicher."
Intime Infos jemandem anzuvertrauen, hat außerdem einen Effekt: Wer etwas von sich preisgibt, schafft Vertrauen in der Beziehung. Und dabei ist es egal, ob das nun banale Infos sind - etwa, wie man seinen Kaffee am liebsten trinkt - oder ob es sich um ganz sensible Informationen handelt. Hauptsache, es geht um persönliche Dinge.
"Wir schaffen Vertrauen durch das Teilen von Geheimnissen, und dadurch reproduzieren wir Freundschaft. Dadurch halten wir sie am Leben."
Es gibt sogar Experimente, die erforschen, ob Freundschaften länger halten, je mehr die Freunde übereinander wissen. Um das herauszufinden, spielen sie zum Beispiel sogenannte Passwort-Spiele: Dabei bekommt einer ein Wort und muss dem anderen Tipps geben, damit der es errät, erklärt der Soziologie Janisch Schobin: "Freunde sind darin extrem gut. Das ist erschreckend, wie gut die da drin sind."
"Wenn zwei Leute zusammen ein Geheimnis haben, dann kann das schon cool sein."
Wissen, wie jemand tickt, zeigt also recht gut, ob und wie tief man mit jemandem befreundet ist. Und geheime Infos tauschen wir wiederum nur mit unseren engsten Buddys. Eine Studie unter 112 Studierenden zeigt dementsprechend, dass sich besonders tiefe Freundschaften entwickeln, je mehr Zeit wir miteinander verbringen und je mehr Intimes wir von uns preisgeben.
Nicht jedes Thema für jeden
Aber: Wir wählen genau aus, welchen Freunden wir was erzählen. Das legt eine andere Studie nahe, die rund 1100 Erwachsene in den USA zu dem Thema befragte. Wem man was anvertraut oder verschweigt, ist unterschiedlich: Dem einen Freund erzählt man etwas über ein bestimmtes Thema, das man mit einem anderen nicht besprechen würde.
