Wie machen Songs Produkte erfolgreich? Wir haben mit Fabian Gerhartz, dem Mitorganisator des Branchenkongresses c/o Pop Convention einen Blick hinter die Kulissen der Werbe- und Musikbranche geworfen.

Mit dem "Is mir egal"-Spot haben die Berliner Verkehrsbetriebe BVG und der Neuköllner Rapper und Werbetexter Kazim Akboga den wohl größten Werbehit des letzten Jahres gelandeten mit inzwischen über 6 Millionen Aufrufen bei YouTube.

Welche Rolle kann Musik übernehmen, wenn es um Werbung geht? Welche Kooperationen gehen Musiker mit Unternehmen ein und wie stehen die Fans zur werblichen Nutzung von Musik? Das sind einige Fragen, mit denen sich Fabian Gerhartz beschäftigt. Er hat selbst lange Zeit in der Musikindustrie gearbeitet und berät Unternehmen zu passender Musik und Testimonials für Werbezwecke. Außerdem plant er ein Branchentreffen für Musik- und Werbeindustrie zu genau diesen Fragen bei der c/o pop, das eintägige Treffen am 25.08.2016 heißt "Brands & Music Day".

Fabian, der "Mad Man"

Fabian würde gern mal einen Tag mit Don Draper aus der TV-Serie "Mad Man" tauschen – und zwar, "um zu lernen, wie man die dämlichste Idee so fett verkauft, dass einem die Kunden wie einem Werbegott huldigen". Bei "Mad Man" herrsche noch "so eine schöne Old-School-Vorstellung", wie es in der Werbung abgeht.

"Der Typ raucht und trinkt in seinem Büro und legt in der Mittagspause Frauen flach."
Fabian Gerhartz, Werbe-Experte

In Wirklichkeit sei es so natürlich leider GAR nicht, sagt Fabian. Es sei ein relativ normaler Job.

Von der Musik zur Werbung

Fabian wurde 1972 in Hessen geboren und ist in den USA aufgewachsen. Er wollte als Musikkaufmann in London arbeiten und hat dazu zunächst in Deutschland eine Ausbildung in der Musikindustrie gemacht. In der Musikindustrie lief es irgendwann nicht mehr so rund.

"Ende der 90er mit der Digitalisierung der Musik ist die große Marge der Musikindustrie in die Dutten gegangen."
Fabian Gerhartz

Deshalb hat sich Fabian - der übrigens in verschiedenen Heavy Metal Bands Musik gemacht hat - irgendwann umorientiert. Und sein zweites Standbein aufgebaut: Er hat in Köln an der Westdeutschen Akademie für Kommunikation Marketing-Kommunikation studiert. 2006 hat er dann seine erste Agentur gegründet: lautstark, eine Spezialagentur für Kooperationen zwischen Musik und Markenindustrie.

Deutschland war immer eine Hochburg für Sport und Marketing, sagt Fabian.

"Der Rudi Völler im Jägermeister-Trikot – das war damals eine Welt-Sensation."
Fabian Gerhartz

Musik und Marken kam später – das habe in den USA angefangen, dort sei man offener gewesen. Das habe auch mit der antikapitalistischen Attitüde von Hip-Hop-Musik zu tun gehabt.

Wenn Donald Trump Musiken nutzt…

Nach deutschem Recht dürfte Trump die Songs bei seinen Wahlkampf-Veranstaltungen nicht benutzen, wenn die Künstler es ihm untersagen. Nach amerikanischem Recht sei das etwas "grau", erklärt Fabian. Da Trump damit werbe, sei es eigentlich verboten. Andererseits nutzt er sie ja nur im Rahmen seiner Auftritte und werbe nicht in einem TV-Spot damit.

Die Zukunft der Musik

Marketing sei nicht die Rettung der Musik-Industrie, sagt Fabian.

"Was Musik wirklich beflügelt, sind die Kooperationen im Film- und Games-Bereich."
Fabian Gerhartz

Werbung sei natürlich auch wichtig – sehr wichtig – aber sie könne die Musik in der Regel alleine nicht retten, sagt er.