Wer sich an einem Imbiss eine Portion Pommes bestellt, fragt sich vermutlich selten, wer an diesen Pommes am meisten verdient hat. Wir liefern trotzdem die Antwort: Die Erzeuger sind es nicht.

Mit langen, komplexen Formeln hat ein Forschungsteam aus den USA berechnet, wie viel vom Preis eines Lebensmittels beim Erzeuger ankommt. Dafür haben sie mehr als 60 Länder mit mittlerem und hohem Einkommen untersucht, in denen 70 Prozent der Weltbevölkerung leben und aus denen 90 Prozent der Wirtschaftsleistung stammt.

Angesehen haben sich die Forschenden nur Produkte, die hauptsächlich im selben Land angebaut und weiterverarbeitet wurden. Das betraf drei Viertel der Lebensmittel in den untersuchten Ländern. Dabei fanden sie heraus: Wenn man selbst einkauft und kocht, landen noch 27 Prozent des Preises beim Bauern oder der Landwirtin.

"Wenn du selbst einkaufen gehst und dann zuhause kochst, landen im Schnitt 27 Prozent vom Lebensmittelpreis beim Bauern oder der Landwirtin."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Deutlich weniger wird es, wenn man sich ein Essen nach Hause oder im Restaurant bestellt. Hier bleiben für den Bauernhof manchmal nur bis zu sieben Prozent vom Endpreis.

Schier endlose Wertschöpfungskette

Laut der Forschenden liegt die geringe Beteiligung am Ertrag hauptsächlich an der langen Lebensmittel-Versorgungskette – vom Transport über die Qualitätskontrolle bis hin zum Supermarkt. Alle wollen etwas daran verdienen.

Hinzu kommt, dass manche Produkte wie beispielsweise Tiefkühlpizzen zusätzlich noch massiv weiterverarbeitet werden. Hier zahlt man also beispielsweise auch noch für das Food-Design und die Werbung.

"Oft werden die Produkte noch massiv weiterverarbeitet, bei Tiefkühlpizza zum Beispiel, du zahlst auch noch für Food-Design und Werbung."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bei nicht selbstgekochten Lebensmitteln kommen die Kosten für das Restaurant oder den Lieferdienst hinzu.

Mehr Wohlstand, mehr Verarbeitungsschritte

Die Studie zeigt auch: In reicheren Ländern verdienen die Erzeuger tatsächlich anteilig weniger als in ärmeren Ländern. Das trifft zumindest dann zu, wenn die Produkte im eigenen Land auch verbraucht werden. Denn in den ärmeren Ländern verkaufen Bäuerinnen und Landwirte ihre Produkte häufig direkt auf dem Markt.

In reicheren Ländern dagegen geht es den Verbraucherinnen und Verbrauchern immer mehr um bequemes Konsumieren. Sie haben weniger Zeit zum Kochen und greifen häufiger auf Fertigprodukte oder Fast Food zurück, sagen die Forschenden. Nach dem Verlassen des Bauernhofs erfolgen also noch zahlreiche Schritte, bis das Lebensmittel beim Verbraucher ankommt.

Das spiegelt sich auch in den Jobs wider. In den USA beispielsweise arbeiten über 20 Millionen Menschen im Lebensmittel-Sektor, nur knapp jeder Zehnte davon arbeitet direkt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb

Schädlich für uns und unsere Umwelt

Die Forschenden sagen: Häufig würden gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamine fehlen, dafür seien mehr Zucker und Fette drin. Außerdem produziere jeder zusätzliche Arbeitsschritt Abgase, und letztendlich ist so gut wie alles nochmals in Plastik verpackt.

Die Forschenden sehen dadurch auch die Uno-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung von Wasser oder sauberer Energie bis 2030 gefährdet.