Nach 33 Jahren hieß es am 13.12.2014 zum letzten mal "Wetten dass...?" im Deutschen Fernsehen. Und auch wenn das Ende wenig ruhmreich ist, war das Unterhaltungsformat im Rückblick eine Erfolgsgeschichte, sagt Gerd Hallenberger, Kommunikationswissenschaftler an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln.

Der Skandal um den Buntstiftlutscher, der angeblich die Farben am Geschmack erkennen konnte bleibt eben so unvergessen wie der Auftritt von Michael Jackson. Die Samstagabendsendung "Wetten dass...?" ist ein Teil deutscher Fernsehgeschichte - ab diesem Samstag dann wohl auch endgültig.

"Ich glaube, worum es hier geht ist, dass etwas, was eigentlich lange vorbei ist jetzt auch offiziell als beendet erklärt wird."
Gerd Hallenberger, Kommunikationswissenschaftler

"Wetten dass...?" war eine Familiensendung. Oder um es mit den Worten von Gerd Hallenberger zu sagen: das samstagabendliche Lagerfeuer der Familie. Doch längst versammeln sich Familien eben nicht mehr abends vor dem Fernseher, um sich gemeinsam eine Sendung anzuschauen. Inzwischen hat längst jeder sein eigenes Fernsehgerät in der Familien. Es gibt weit mehr als drei Programme und das - dank Internet - auch noch dann, wenn wir es wollen. Unabhängig von Zeiten in einer Programmzeitschrift.

"Jeder einzelne kann sich eigentlich das was er will aus tausend anderen Quellen, alleine und viel, viel perfekter holen."
Gerd Hallenberger erklärt, warum das Modell Samstagabend-Familienshow völlig veraltet ist.

Umso erstaunlicher eigentlich, dass "Wetten dass...?" überhaupt so lange durchgehalten hat. Der Niedergang war längst überfällig. Und genau deshalb sieht Gerd Hallenberger den Grund für den Misserfolg des Formats auch nicht bei Moderator Markus Lanz. Der, so sagt er, stehe einfach für ein anderes Moderationskonzept. Er sei der Vertreter eines amerikanisches Konzepts, bei dem der Gastgeber einer Show lediglich für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Allerdings, gibt er zu, sei das vielleicht nicht das beste Konzept für eine solche Show gewesen.

"Amerikanische Gameshowmoderation heißt, man sorgt dafür, dass alles in der Sendung reibungslos funktioniert, fällt aber als Moderator nicht weiter auf. Die deutsche Tradition heißt, dass an einem Samstag Abend eher erwartet wurde, dass der Moderator der heimliche Star ist."
Gerd Hallenberger, Professor für Kommunikationswissenschaften

Ob ein Moderator mit einem eher auf Personality ausgelegten Konzept "Wetten dass...?" noch ein bisschen länger am Leben erhalten hätte, wagt Gerd Hallenberger zu bezweifeln. Dass die Show aber trotz des starken Wandels in der Medienlandschaft so lange durchgehalten hat - und das auf einem quotenmäßig oft hohen Nivea - findet er eine bemerkenswerte Leistung.

"Man muss auch mal sagen: das ZDF hat über viele Jahre sehr viel richtig gemacht. Denn mit dem ganzen Medienwandel so eine Sendung fast 34 Jahre erfolgreich zu halten, das ist eine Leistung, über die man auch mal reden sollte."
Gerd Hallenberger, Professor für Kommunikationswissenschaften