Schmerzen im Knie, die Schulter muckt, der Kopf tut weh: Vielen von uns macht extremes Wetter zu schaffen. Denken wir jedenfalls. Die Wissenschaft ist sich da nicht so einig. Hilfe gibt es trotzdem.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner leidet an Schulterschmerzen, seit er 14 Jahre alt ist. Wenn die Temperaturen draußen stark fallen oder steigen, wird es besonders schlimm - so sein Gefühl. Und damit steht er nicht alleine da. Mehr als die Hälfte aller Deutschen bezeichnet sich als wetterfühlig, ein Fünftel gibt sogar an, stark unter dem Wetter zu leiden. Viele klagen zum Beispiel bei Hitze über Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme. Aber kann das Wetter, kann Temperatur, Windstärke, Niederschlag oder Luftdruck unseren Körper wirklich so beeinflussen?

Widersprüchliche Forschungslage

"Es gibt Hunderte, wenn nicht Tausende von Studien, die versucht haben, derartige Effekte wissenschaftlich zu untersuchen", sagt Hans Richter, Atmosphären-Physiker und Umweltforscher an der ETH Zürich. Er sagt: Bei den meisten Versuchen ist durchaus etwas herausgekommen – allerdings widersprechen sich die Ergebnisse sehr stark.

Um nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und körperlichen Beschwerden beweisen zu können, braucht es einen kausalen Zusammenhang. Man müsste also zeigen können, dass irgendetwas im Körper stattfindet, wenn es zum Beispiel heiß und schwül ist. So einen Beweis gibt es bisher aber nicht. Nach Ansicht von Hans Richter sind ganz andere Effekte wichtiger.

"Die Einflüsse anderer Sachen - Nahrung, Umwelt, die Beziehung zu meinen Kollegen und so weiter - spielen eine viel größere Rolle als das Wetter."
Hans Richter, Atmosphären-Physiker und Umweltforscher an der ETH Zürich

Wer bei starken Wetterschwankungen trotzdem Kreislaufprobleme hat, dem bringt es natürlich auch nichts, wenn die Wissenschaft sagt: Kann doch nicht so schlimm sein.

Immer schön Spazieren gehen

Notfallmediziner Johannes Wimmer empfiehlt deshalb: Jeden Tag einen Spaziergang machen, bei jedem Wetter. Wenn wir nämlich den ganzen Tag im Büro, in der Uni oder zu Hause bei 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent sitzen, dann kommt der Körper mit großen Veränderungen irgendwann nicht mehr klar, sagt Johannes Wimmer. Deshalb: abhärten!

"Dann kommt der Körper auch damit zurecht. Weil der sagt dann: Kenne ich ja! Kälte und Wind kenne ich. Sonne und Hitze kenne ich genauso."
Notfallmediziner Johannes Wimmer

Auch eine regelmäßige Heiß-kalt-Dusche oder der Gang in die Saune könnten dabei helfen, den Körper auf unterschiedliche Temperaturen einzustimmen.