Der auch unter dem Namen "Whakaari" bekannte Vulkan auf White Island (Neuseeland) war am Montag (09.12.) plötzlich ausgebrochen. Das vorherzusagen sei relativ schwierig, sagt der Vulkanologe Gerhard Wörner. Darum findet er es auch unverantwortlich, dass die Insel ein Touristenziel ist.

Vulkane können auf verschiedene Art ausbrechen: Sie können rote Lavafontänen spucken – das kennt man von den Vulkanen auf Hawaii, sagt der Vulkanologe Gerhard Wörner. Dann gebe es explosive Vulkane, etwa den Vesuv: Sie erzeugen riesige Aschewolken, die bis in die Stratosphäre reichen. Und dann gebe es noch Vulkane, wie den auf White Island: Magma steigt in ihnen zwar relativ langsam auf. Es könne aber bei Kontakt mit Wasser zu plötzlichen und heftigen Explosionen kommen. "Eine solche Eruption ist das kürzlich auf White Island gewesen", so der Vulkanologe.

"Bei White Island ist es so, dass der Vulkan bis zum Kragen im Wasser steht. Und wenn da ein kleiner Aufstieg von Magma stattfindet, kann das dazu führen, dass das Wasser mit dem Magma explosiv gefördert wird."
Gerhard Wörner, Vulkanologe und Geochemiker

Vorhersagen über einen möglichen Ausbruch dieses Vulkans zu machen, sei relativ schwer, sagt Gerhard Wörner. Denn die Volumen, um die es da geht, seien kleiner. Viele andere Vulkane zeigten deutlicher an, dass sie womöglich bald ausbrechen. Der Mount St. Helens (USA) oder der Pinatubo (Philippinen) kündigen Eruptionen beispielsweise durch vorherige Erdbeben an.

Anzeichen für eine Eruption

Allerdings: Auch auf White Island habe es nach Kenntnis des Vulkanologen Anzeichen gegeben, die auf eine Aktivität des Vulkans schließen lassen – wenn auch nur geringfügig.

"Ich habe erfahren, dass es wohl doch auch schon vorher Anzeichen von erhöhter, geringfügiger seismischer Erdbebentätigkeit gegeben hat."
Gerhard Wörner, Vulkanologe und Geochemiker

Zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs waren nach Angaben der Neuseeländischen Polizei 47 Menschen auf der Vulkaninsel. Sechs Menschen sind gestorben, dutzende Verletzte – darunter vier Deutsche – werden in Krankenhäusern behandelt. Acht Menschen gelten weiterhin als Vermisst. Nach Einschätzung der Polizei werden sie den Ausbruch nicht überlebt haben.

Kein sicheres Ziel für Touristen

Gerhard Wörner hält es für sehr problematisch, dass Touristen die Vulkaninsel regelmäßig besuchen, gerade weil er so unberechenbar sei. Zudem sei es gefährlich, weil der Vulkan vom Strand aus zugänglich ist: "Man kann quasi von Meereshöhe in diesen Krater hineinlaufen." Der Grund dafür: Bei einer früheren Explosion hat der Vulkan seine Flanke verloren.

"Man hat ja gelesen, dass bis zu 10.000 Menschen den Vulkan besuchen. Und das halte ich für höchst problematisch."
Gerhard Wörner, Vulkanologe und Geochemiker

Polizei ermittelt

Der Reiseanbieter White Island Tours hat nach dem Ausbruch erklärt, man habe Sicherheitsvorschriften ernst genommen. Am Montag habe zwar Warnstufe zwei gegolten. Auf dieser Stufe seien aber schon früher Ausflüge zum Vulkan unternommen worden. Zwei Reiseleiter des Unternehmens zählen zu den Vermissten. Dennoch ermittelt nun die Polizei. Chef-Ermittler John Tims sagte, man wolle herausfinden, "ob jemand für Tode und Verletzungen kriminell verantwortlich ist".

Gerhard Wörner empfiehlt Reisenden, sich über Infoseiten wie die Smithonian Institution zu informieren, wie aktiv ein Vulkan ist, in dessen Nähe man reisen will. Die Aktivität aller Vulkane ist dort vermerkt. Und er sagt: Wenn in der Vergangenheit nicht viel los war, dann ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass aktuell etwas passiert.