Die Traditionelle Chinesische Medizin wurde 2019 von der WHO in den offiziellen Krankheits- und Behandlungskatalog aufgenommen. Europäische Mediziner kritisieren das jetzt in einer gemeinsamen Erklärung.

Akupunktur, Tai-Chi, Schröpfen oder Pulver aus Nashorn- und Tigerknochen – all das gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Viele Menschen schwören auf den alternativen und ganzheitlichen medizinischen Ansatz, bei dem Patienten und Patientinnen hauptsächlich nach der Theorie der Energieflüsse im Körper therapiert werden. Das passiert durch Heilkräuter, Pulver und Akupunktur. Den generellen Ansatz findet auch die WHO medizinisch vertretbar: Seit diesem Jahr ist TMC offiziell von der WHO als medizinische Praxis anerkannt.

"Bei anderen Medikamenten gelten weltweit super-strenge Regeln. Medikamente müssen jahrelang erforscht und getestet werden, bevor sie zugelassen werden."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Viele europäische Mediziner der zwei großen europäischen Zusammenschlüsse von Wissenschaftsakademien (EASAC und FAM) sehen die Entscheidung allerdings kritisch. In einem Statement kritisieren sie die fehlenden objektiven und wissenschaftlich geprüften Aussagen über den Einsatz von traditionell chinesischen Heilmitteln.

"Und europäische Mediziner finden es fahrlässig, dass die WHO die TCM jetzt einfach so anerkennt – quasi als gleichwertige Medizin."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Einige Behandlungsmethoden in der westlichen Medizin beruhen zwar auf TCM. Zum Beispiel ein sehr wirksames Malaria-Medikament, dessen Wirkstoff aus der Beifuß-Pflanze mithilfe von TCM entwickelt wurde. Auch Akupunktur trägt laut Studien bei Schmerzpatienten zu Besserung der Beschwerden bei. Deshalb zahlen auch Krankenkassen die Behandlung inzwischen. Im Statement der Medizinerinnen heißt es, man wolle die TCM nicht abwerten – die Wirkung der Heilmittel müsse allerdings wissenschaftlich nachgewiesen werden können.

Alternative Heilmethoden werden auch in der westlichen Medizin wichtiger

Ganzheitlich und alternativer zu behandeln ist auch in der westlichen Medizin in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden. Der Ansatz der westlichen Medizin unterscheidet sich von der TCM laut der Mediziner allerdings darin, dass nur Behandlungsmethoden genutzt werden, bei denen man vorher sagen kann: Wie genau wirkt etwas, bei wem wird es angewendet, in welcher Dosis und wie lange? Die europäischen Mediziner sagen daher: Solange man solche Heilmethoden wie Akupunktur, Pulver und Kräuter nicht genauer untersucht, ist es viel zu gefährlich, sie als Heilmittel anzuwenden.

"Die Medizinerinnen und Mediziner haben Sorge, dass Menschen sich durch TCM vielleicht schaden. Dass sie überdosieren, dass sie gefährliche Stoffe zu sich nehmen oder dass sie zu spät zu naturwissenschaftlich behandelnden Ärzten gehen."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova