Mumps, Masern oder Kinderlähmung sind fast verschwunden – dank konsequenter Impfungen. Die Verwirrung hat hingegen zugenommen, sagt Christian Lindmeier von der Weltgesundheitsorganisation.

Unentschiedenheit beim Impfen ist für die Weltgesundheitsorganisation global eine der zehn größten Bedrohungen für die Gesundheit. Die Europäische Kommission organisiert deswegen einen Weltimpfgipfel zur Bekämpfung von Fehlinformationen über Immunisierungen.

Zum Beispiel Masern: In Europa sind in der ersten Jahreshälfte 2019 bereits 37 Menschen an einer Masernerkrankung gestorben – das sind mehr als im gesamten Jahr 2018. Albanien, Tschechien, Griechenland und England haben ihren Status als masernfreie Länder verloren. In Deutschland ist eine Impfquote von 95 Prozent bei der Krankheit gewünscht. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wird sie derzeit nicht erreicht.

"Das Wichtigste ist, sich bewusst zu machen, dass es diese Krankheiten wie Masern gibt, dass es aber auch einen Schutz dagegen gibt."
Christian Lindmeier, World Health Organization, Pressesprecher

Für Christian Lindmeier von der WHO sind eigentlich alle Impfungen im Kindesalter wichtig. Er nennt Mumps, Masern, Röteln, Tetanus, Diphterie und vielleicht Influenza. Er weist darauf hin, dass es beim Impfen auf das richtige Timing und das Einhalten von Fristen ankommt.

Hinzu kommen gegebenenfalls noch Reiseimpfungen – gegen Gelbfieber beispielsweise. Christian Lindmeier vermutet, dass der Erfolg der Impfungen ein Grund dafür ist, dass das Vertrauen ins Impfen bei manchen Menschen verloren gegangen ist.

"Nachdem wir viele dieser Krankheiten nicht mehr um uns herum haben – Masern, Röteln, Mumps, und Polio – haben wir vergessen, dass man sich dagegen schützen muss."
Christian Lindmeier, World Health Organization, Pressesprecher

Schon rund fünf Prozent der Bevölkerung, die nicht geimpft sind, stellten ein Risiko für die Allgemeinheit dar, weil sich dann Krankheiten wieder stärker ausbreiten können. Mit dem Impfen, sagt Christian Lindmeier, zeigt man Verantwortung sich selbst und der Gesellschaft gegenüber.

Facebook und Co linken zur WHO

Facebook, Instagram und Pinterest unterstützen die WHO bei ihrer Kampagne gegen Fehlinformationen und wollen auch innerhalb von Impfgegner-Gruppen gegen desinformierende Posts vorgehen. Die Plattformen weisen seit dem 4. September 2019 auf Informationen der WHO hin.

Christian Lindmeier erinnert daran, dass Falschinformationen keine Erfindung des Internetzeitalters oder der sozialen Medien sind. Neu sei nur die Geschwindigkeit, in der sie sich verbreiten. Das führe zu großer Verwirrung.

"Viele Leute sind nicht bewusst gegen etwas eingestellt, sondern angesichts der Masse an Informationen einfach verwirrt."
Christian Lindmeier, World Health Organization, Pressesprecher