Frauen, die Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sind, gehen sehr oft nicht zur Polizei. Aus Angst, aus Scham. Unter dem hashtag #whyisaidnothing haben Frauen ihre Erlebnisse anonym getwittert.

Die Dunkelziffer der Frauen, die sexuelle Gewalt erleben oder vergewaltigt werden, ist zehn- bis zwanzigmal höher als die Anzahl der Straftaten, die in die Statistiken eingehen. Sie gehen in der Regel nicht zur Polizei, weil sie die Übergriffe nicht beweisen können oder sich scheuen, durch eine Nacherzählung der Ereignisse alles noch einmal von vorn durchleben zu müssen. Fatal nur, wenn in der Öffentlichkeit dadurch der Eindruck entsteht, dass solche Taten gar nicht stattfinden würden.

Deshalb haben viele Frauen unter dem #whyisaidnothing ihre persönlichen Erlebnisse anonym getwittert und zumindest auf diesem Weg öffentlich gemacht. Den Anfang machte am 19. Dezember 2015 Outerspace_girl mit weniger als der Hälfte der erlaubten 140 Zeichen indem sie schrieb, “Because they said: »Come on, you wanted it«".

Frauen wird unterstellt sie seien selbst Schuld

Die im Tweet angeprangerte Vergewaltigungskultur wurde bereits drei Monate vorher, im September 2015, durch eine der größten Studien belegt, die jemals zu sexueller Gewalt an amerikanischen Unis durchgeführt wurde. 23 Prozent der befragten Studentinnen gaben an, schon einmal unerwünschte sexuelle Annäherungen bis hin zu sexueller Gewalt erlebt zu haben.

Aber nicht wie landläufig angenommen ausschließlich an einsamen Straßenecken oder in dunklen Parks. Die Statistiken, die Erfahrungen von Frauenberatungsstellen und auch der Hashtag #whyisaidnothing zeigen, dass in den meisten Fällen der Täter ein Partner, Freund, Ex oder Kollege ist. Menschen, von denen Frauen niemals denken würden, dass von ihnen jemals eine solche Gefahr ausgehen würde.

Wenn Frauen dann doch zur Polizei gehen und eine Vergewaltigung melden, heißt das aber noch lange nicht, dass es auch zur Anzeige kommt. Die die Chance, dass ein Täter am Ende vor Gericht verurteilt wird, ist ziemlich gering. Denn Zeugen gibt es in der Regel nicht. Erst Recht nicht in den eigenen vier Wänden.

“Selbst in Fällen, in denen wir denken, das ist so sonnenklar, das ist echt heftig und das wird zu 99 Prozent zu einer Verurteilung kommen, mussten wir schon andere Erfahrungen machen.“
Irmgard Kopetzky, Sozialpädagogin