Dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko kommt die Eishockey-WM gerade recht, um sein Land bei Laune zu halten. Doch die Probleme sind nicht verschwunden, wenn die Kufen vom Eis sind.

Weißrussland richtet gerade die Eishockey-Weltmeisterschaft aus. Die deutsche Mannschaft war nicht so erfolgreich, kann maximal noch 13. werden. Der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko dagegen konnte die WM durchaus für propagandistische Zwecke nutzen, sagt Korrespondent Markus Sambale - indem er ein gut organisiertes, feierliches Event auf die Beine gestellt habe.

Auf den ersten Blick ist diese Rechnung aufgegangen. Die Stimmung beim Turnier sei wirklich gut, erzählt Markus Sambale. Ausverkaufte Hallen - selbst bei unbedeutenden Vorrundenspielen, Fanmeilen in den Städten. Selbst deutsche Fans zeigten sich angetan. Dennoch mache sich kaum jemand Hoffnung, dass sich durch das Turnier irgendetwas ändere.

Die größte Leistung von Alexander Lukaschenko: Er habe es geschafft, dass die Eishockey-WM nicht in ein anderes Land verlegt wurde. Ein Szenario, das gar nicht so unwahrscheinlich war, nachdem im Vorfeld in Weißrussland Demonstrationen niedergeschlagen und Hunderte Gegner der Regierung festgenommen worden waren.

Markus Sambale berichtet aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk
"Alle, die hier sind, sind sich sicher, dass nach dem Turnier alles wieder so ist wie vorher - nämlich der gleiche Druck auf jeden, der anders denkt."

Während des Turniers gebe es keine größeren Demonstrationen, erzählt Markus Sambale. Was Lukaschenko außerdem in die Karten spiele: Die wirtschaftliche Lage im Land sei vergleichsweise stabil, der Protestdruck daher auch zurzeit nicht so hoch. Auf eine gewisse Weise profitiere Lukaschenko aber auch von der Krise im Nachbarland Ukraine. Der Tenor in den weißrussischen Medien: Der Nachbar versinke im Chaos, weil die Regierung gestürzt worden sei. Ein Freifahrtschein für Lukaschenko, um mit aller Härte gegen Regierungsgegner vorzugehen.

Allerdings bereite dem "letzten Diktator Europas" ein Aspekt der Ukrainekrise auch Sorge, sagt Markus Sambale. Der russische Präsident Wladimir Putin habe gezeigt, was er mit Nachbarländern mache könne und dass er sich auch nicht von Staatsgrenzen aufhalten lasse.