Die Politik hat es langsam kapiert - wir sind ein Einwanderungsland. Kein Grund zur Sorge, sagt der Migrationsforscher Jochen Oltmer. Wie diese Zuwanderung möglichst reibungslos funktioniert? Einfach abwarten.

Es ist ein Satz, gegen den sich einige Deutsche lange gewehrt haben - heute ist er eine Tatsache: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Laut OECD sind wir sogar das Zweitbeliebteste weltweit - nach den USA.

Kein Grund zur Sorge, sagt Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien der Universität Osnabrück. Deutschland sei vorbereitet. In den vergangenen fünf bis sechs Jahren sei viel passiert. Die Einwanderungssituation werde mittlerweile politisch gestaltet und sei politisch akzeptiert. Wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist? Die Bundesrepublik sei einfach schon seit relativ langer Zeit ein Einwanderungsland. Außerdem hätten die Entscheidungsträger in der Politik verstanden: Sie müssen in Zeiten einer überalterten Bevölkerung auch politisch umsteuern.

"Dass sich Einwanderer erst langsam mit ihrer neuen Heimat identifizieren, ist ein ganz normaler Prozess."

Bleibt die Frage, wie der politische Sinneswandel in der Gesellschaft aufgenommen wird? Es sei schwer, hier eine Antwort zu geben, sagt Jochen Oltmer. Es lasse sich schon beobachten, dass Vielfalt zunehmend akzeptiert werde. Auf der anderen Seite sei Alltagsrassismus immer noch weit verbreitet.

Können wir in Sachen Einwanderung von der Nummer eins lernen? Ist der American Dream ein Leitbild, das sich auf Deutschland übertragen lässt? Jochen Oltmer ist skeptisch. Er setzt lieber auf den Zahn der Zeit. Es sei ganz natürlich, dass sich Einwanderer lange an ihrer alten Heimat orientierten. Häufig zögen Menschen auch mit der Vorstellung in ein anderes Land, in absehbarer Zeit wieder in die alte Heimat zurückzukehrern. Erst langsam verlagere sich die Orientierung hin zum Zielland. Sein Vorschlag: Ein bisschen Geduld mit den Einwanderern haben.