Der Markt für Sneaker boomt, die Umsätze wachsen. Aber das Versprechen der Branche, die Schuhen zu recyceln, wird kaum eingelöst. Das heißt: Besser kaputte Sneakers nicht einfach wegwerfen, sondern reparieren. Wir haben Tipps vom Schuhmacher.

Bei Sneakern geht häufig als erstes das Innenfutter hinten an der Ferse kaputt, so unsere Reporterin Ilka Knigge. Auch die Sohlen können eine Schwachstelle sein, besonders dann, wenn sich der Kleber löst. Das passiert gerne, wenn die Schuhe häufiger in der Waschmaschine landen. "Das am besten direkt lassen", sagt Ilka. "Lieber mit Zahnbürste und Spüli-Lauge ran an den Schuh." Aber an Turnschuhen können sich auch die Nähte lösen und dann entstehen Löcher.

Reparieren statt wegwerfen

An einem Sneaker kann also viel kaputt gehen. Die gute Nachricht ist, dass es für fast alles Lösungen gibt und einige davon könnt ihr zu Hause umsetzen. Aber dafür braucht ihr ein paar Dinge:

  • einen vernünftigen Kleber: Sekundenkleber für kleine und Kraftkleber für größere Stellen
  • Polyester-Garn für offene Nähte
  • Klemmen, damit ihr mit ausreichend Druck kleben könnt; solche Klemmen gibt es im Baumarkt

Ihr könnt dann Stellen wieder verkleben, die sich abgelöst haben. Oder auch Nähte nachnähen, falls nötig. Maßschuhmachermeister Rolf Rainer ist da durchaus zuversichtlich, dass man das auch gut zu Hause hinbekommt.

"Wenn man zu Hause schonmal einen Knopf annäht, kann man eben auch am Oberleder der Sneaker die Nähte, die auf sind, nachnähen."
Rolf Rainer, Maßschuhmachermeister

Der Schuhmacher ist Teil der Initiative Repair your Pair, die sich für reparierbare Schuhe einsetzt. Nähen ist an manchen Stellen am Sneaker nicht einfach, aber machbar, so Rolf Rainer. Zum Beispiel vorne an der Spitze wird es schwierig. Er rät, dann zur Häkelnadel zu greifen. Damit lässt sich der Faden von innen nach außen ziehen.

Der Maßschuhmachermeister Rolf Rainer sitzt in seiner Werkstatt, im Hintergrund hängen Werkzeuge an einer Holzwand.
© Rolf Rainer
Rolf Rainer ist Maßschuhmachermeister in Köln. Und er vertraut darauf, dass ihr zu Hause eure Sneaker reparieren könnt. Zumindest kleine Reparatuen.

Und Rolf Rainer hat noch mehr Tipps. Die Nahtenden kurz ans Feuerzeug halten, dann rutschen sie nicht durch das Nadelöhr. Und wenn im Schuh hinten das Futter weggescheuert ist, könnt ihr ein Stück einer alten Jeans als Flicken nutzen. Ihr gebt Kleber auf den Flicken und auf den Schuh und drückt beides zusammen. Dafür könnt ihr auch eine Klemme nutzen.

"Man muss es einfach erstmal machen, dann stellt man fest, dass es eigentlich relativ einfach ist."
Rolf Rainer, Maßschuhmachermeister

Aber klar ist leider auch, dass ihr nicht alle Reparaturen zu Hause machen könnt. Zum Beispiel, wenn die ganze Sohle vom Schuh ab ist. Dann bringt ihr die Sneaker besser zum Schuhmacher, der die Sohle austauschen kann. "Das geht sogar bei einigen Laufschuhen", sagt Ilka. Der Austausch der Sohle ist keine große Sache, so Rolf Rainer. Das Problem ist nur, dass die Hersteller nicht die Originalsohlen für die Reparaturen zur Verfügung stellen.

Die Unternehmen müssen mitmachen

Und das ist ein generelles Problem: Viele Unternehmen in der Sneakerbranche haben kein Interesse daran, dass "ihre" Schuhe einfach repariert werden können. Die Branche boomt und will Geld verdienen.

Schuhmacher Rolf Rainer wünscht sich, dass man beim Kauf eines Sneakers schon erfährt, ob sich der Schuh gut reparieren lässt.

Solche Ideen verfolgt auch die neue Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag gibt es ein Kapitel zu "Kreislaufwirtschaft". Darin geht es um einen digitalen Produktpass, der Infos geben soll zu Produktkomponenten, Materialien oder auch zur Reparierbarkeit. Ebenso zu Ersatzteilen und fachgerechter Entsorgung der Produkte. Kleidung und Schuhe werden nicht explizit in diesem Kapitel erwähnt. Aber vielleicht kommt das noch.