Nach den jüngsten Attentaten in den USA wollte US-Präsident Donald Trump den Tröster spielen. Beobachter sind sich einig: Das ist ihm nicht gut gelungen. Wir haben uns von einer Seelsorgerin ein paar Tipps geben lassen, wie wir besser trösten können. Eine Regel bei der Trauerarbeit: Einmal ist keinmal.

"Er ist hier nicht willkommen. Er sollte nicht hierherkommen, während wir noch trauern", sagte die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar, die El Paso vertritt. Hier hatte ein Amokschütze in einem Supermarkt 22 Menschen offenbar aus rassistischen Gründen getötet. Donald Trump kam trotzdem und hat den Termin auch gleich dafür genutzt, die Medien anzugreifen und seine politischen Gegner lächerlich zu machen.

Das Schlimme beim Namen nennen

Viele Bürger und die meisten Beobachter sind sich nach seinem Besuch einig: Das war nicht gut getröstet. Auf Twitter sprach Trump später noch von einem "unglaublichen Nachmittag in El Paso". Nach einem Amoklauf sind das sicher nicht die passenden Worte.

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Aber wie geht das überhaupt: richtig trösten in Extremsituationen? Andrea Kallweit-Bensel arbeitet als Ausbilderin für Diakone und unterrichtet sie unter anderem in Seelsorge und Trauerbegleitung. Sie sagt, das wichtigste sei zunächst, einfach da zu sein, bei jemandem zu sein. Und wenn etwas Schlimmes eingetreten sei, zum Beispiel der Tod eines nahen Menschen, dann müsse das den trauernden Personen mit klaren Worten begreifbar gemacht werden.

"Nicht irgendetwas Beschwichtigendes sagen, dann begreift man das nicht. Man begreift das, indem man das Schlimme auch beim Namen nennt."
Andrea Kallweit-Bensel, Seelsorgerin

Einmal ist keinmal

Schwierig dabei ist das Gefühl für die richtige Mischung aus Nähe und Distanz. Nehme ich jemanden in den Arm, wo frage ich weiter nach? Oft ist von einem professionellem Abstand die Rede. Doch Andrea Kallweit-Bensel macht auch klar, dass das beim Trösten manchmal einfach nicht geht. Dabei können auch der Seelsorgerin schon mal die Tränen kommen. Dann dürfe man - aller Professionalität zum Trotz - auch sagen: "Das macht mich jetzt so traurig, da muss ich jetzt selber weinen."

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Damit einer den anderen trösten kann, muss der sich natürlich eingestehen, dass er das gebrauchen kann. Das fällt vielen Menschen nicht leicht, vor allem Männer tun sich da häufig schwerer. Und auch unserem Reporter Stephan Beuting geht es so.

Auch dafür hat die Seelsorge-Trainerin einen guten Tipp: Vorfühlen und sich zu einem anderen Zeitpunkt nochmal melden, wenn das Gegenüber noch nicht bereit war. Und dann könne es gut sein, dass das Gesprächsangebot doch angenommen wird. "Man sagt in der Trauerbegleitung 'einmal ist keinmal'", so die Seelsorgerin.

"Man sagt in der Trauerbegleitung 'einmal ist keinmal. Es ist wichtig, immer wieder die Hand zu reichen, aber sich nicht aufzudrängen."
Andrea Kallweit-Bensel, Seelsorgerin
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