Vor 60 Jahren demonstrieren in Südafrika schwarze Menschen gegen diskriminierende Gesetze. Die Reaktion der Polizei: Sie erschießen 69 Demonstrierende.

Es ist der 21. März 1960, als sich gegen zehn Uhr einige tausend Schwarze vor dem Polizeirevier des Townships Sharpeville, etwa 50 Kilometer südlich von Johannesburg, versammeln.

Sie protestieren gegen die Passgesetze, mit denen die weiße Regierung Aufenthaltsort und -dauer der Schwarzen in den Industriezentren und den weißen Wohngebieten steuern kann. Seit 1952 war jeder Schwarze verpflichtet, diesen Pass oder ein "Referenzbuch" bei sich zu haben, das persönliche Informationen und Angaben über die Arbeitsstelle enthielt.

An jenem 21. März 1960 sind die Schwarzen bewusst ohne ihre Pässe erschienen.

Binnen Minuten entwickelt sich ein Massaker

In der Polizeistation von Sharpeville sind 20 Polizisten. Als die ersten Steine gegen das Gebäude fliegen und Fensterscheiben zu Bruch gehen, holen sie Verstärkung. Gegen Mittag fliegen Kampfflugzeuge über dem Polizeirevier, kurz danach erteilt ein ranghoher Polizeioffizier den Befehl, auf die unbewaffneten Demonstrierenden scharf zu schießen.

Binnen weniger Minuten entwickelt sich daraus ein Massaker, an dessen Ende 69 Schwarze, darunter Frauen und Kinder, tot sind. Mehr als 200 werden teilweise schwer verletzt.

Apartheid besteht weiter

In Südafrika ist die Empörung so groß, dass wenige Tage später der Ausnahmezustand verhängt werden muss. Knapp 20.000 Menschen werden verhaftet und in Gefängnisse gesteckt.

Die internationalen Reaktionen auf das Massaker von Sharpeville sind drastisch, können aber das Apartheidsystem nicht ins Wanken bringen. Der UN-Weltsicherheitsrat verabschiedet am 1. April 1960 die Resolution 134, mit der das Ende der Apartheid verlangt wird. In Südafrika beschließt der African National Congress (ANC) wenige Tage später, seinen bis dahin ausschließlich friedlichen Protest aufzugeben und Gewalt als Mittel des Protestes einzusetzen.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Südafrika-Kenner Christoph Marx, Universität Essen, schildert den Tag von Sharpeville und die Folgen für Südafrika.
  • Der Journalist Prof. Dr. Stephan Kaußen ist Buchautor über Südafrika und erläutert die Auswirkungen der Apartheid auf das Leben der Schwarzen.
  • Die ARD-Korrespondentin Jana Genth geht den Spuren nach, die die Apartheid hinterlassen hat und berichtet über das Zusammenleben von Schwarzen und Weißen im heutigen Südafrika.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschäftigt sich mit dem Beginn der Apartheid am Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nadine Kreuzahler schildert, was an jenem 21. März 1960 in Sharpeville geschah.