Um besser über Substanzen aufzuklären, analysieren Drug-Checking-Projekte in Österreich und der Schweiz vor Clubs und auf Festivals die Stoffe von Feiernden. Denn risikofrei bleibt Drogenkonsum nie.

Was ist eigentlich alles drin in der Ecstasy-Pille, die man im Club einwirft? Genau wissen können wir das nicht, es gibt ja keinen Beipackzettel vom Dealer. Karl Schubert-Kociper ist Psychologe und Leiter des Projekts "Checkit!" von der Wiener Suchthilfe. Es will mithilfe von Drug-Checkings aufklären.

"Wenn man nicht weiß, was in so einer Pille drin ist, kann man das Risiko des Konsums überhaupt nicht einschätzen."
Karl Schubert-Kociper, Leiter "Checkit!" Wien

Direkt vor Clubs und auf Festivals bietet das Projekt eine Beratung zu psychoaktiven Substanzen an, egal ob die legal oder illegal sind. Daneben steht ein mobiles Labor, wo die Beratenden Drogen auf ihre Dosierung und Inhaltsstoffe prüfen können – und das anonym und schnell.

Die Menschen, die ihre Substanzen untersuchen lassen wollen, geben einen Bruchteil davon ab: Zwischen sechs und zehn Milligramm reichen für die Analyse. "Wenn jemand zum Beispiel eine Ecstasy-Pille abgibt, dann reibt er selbst unter Aufsicht und Anleitung von uns von allen Seiten dieser Pille mit einem Schleifpapier etwas runter", erklärt Karl Schubert-Kociper. Die Berater dürfen zwar als wissenschaftliches Projekt mit Proben von illegalen Stoffen hantieren, es darf sich dann aber tatsächlich nur um kleinste Mengen handeln.

Drug-Checking als Aufklärungsform

Zwischen 15 und 30 Minuten dauert es, bis die Ergebnisse da sind – dann sehen die Konsumenten, ob in ihrer Ecstasy-Pille noch andere psychoaktive Stoffe als MDMA drin sind, die mehr Risiken in sich bergen.

In Wien hatten etwa noch bis vor wenigen Jahren fast alle getesteten Ecstasy-Pillen einen anderen Wirkungsstoff. Inzwischen ist das MDMA in den meisten Fällen viel zu hoch dosiert, sodass die Gefahr von Überdosierung groß ist, erklärt Karl Schubert-Kociper. Was sie mit den Substanzen danach machen, entscheiden die Konsumenten selbst.

Diese Ergebnisse teilen die Mitarbeiter von "Checkit!" aber nicht nur mit denjenigen, die die Probe abgegeben haben. Es gibt eine Pinnwand mit Checking-Ergebnissen vor dem Club, um andere Drogenkonsumenten auf besonders gefährliche Stoffe aufmerksam zu machen. "Wir haben auch so eine Art Ampelsystem für unterschiedliche Ergebnisse etabliert", ergänzt Karl Schubert-Kociper. "Grün gibt es bei uns aber nicht."

"Es muss jedem Konsumenten bewusst sein: Konsum von psychoaktiven Substanzen hat ein bestimmtes Risiko. Das kann aber reduziert werden."
Karl Schubert-Kociper, "Checkit!" Wien

Der Kritik, Drug-Checking sei eine Form der Verharmlosung von Drogenkonsum, tritt das Projekt mit einer klaren Ansage gegen: "Es gibt keinen risikolosen Substanzkonsum. Und das kommunizieren wir auch", sagt der Suchtberater.

Das aufklärende Angebot gilt vor allem den sogenannten Freizeitdrogenkonsumenten, so Schubert-Kociper: "Das sind im Grunde genommen Menschen, die hin und wieder in Freizeitsettings – sei es zu Entspannung, sei es zum Spaßhaben, sei es zum länger Tanzen können – Substanzen konsumieren." Es geht also nicht um substanzenabhängige Personen, schließlich seien nicht alle Menschen, die Drogen nehmen, automatisch abhängig, betont der Wiener.

Gespräche genauso wichtig wie Laboruntersuchung

"Checkit!" analysieren um die 100 Substanzen pro Nacht – sie sprechen aber mit viel mehr Menschen über bewussten Drogenkonsum. Drug-Checking alleine ist laut Karl Schubert-Kociper ein "Risikoreduktionstool". Das informierende Gespräch davor und danach trage mindestens genauso viel zur Aufklärung bei. Die Substanzen selbst sind auch sehr unterschiedlich und es gäbe ständig neue Entwicklungen. "Es ist eine wahnsinnige Dynamik im Drogenmarkt", bemerkt der Suchtberater.

In Deutschland ist Drug-Checking übrigens bisher in keiner Stadt erlaubt. In Berlin sollen in den nächsten zwei Jahren erste Einrichtungen entstehen.