Tabuthema Körpergeruch: Beim Spiel Deutschland gegen die Ukraine hat sich Bundestrainer Jogi Löw in die Hose gegriffen und danach an seiner Hand gerochen. Skandal? Nö, finden wir. Biologisch gesehen, ist es völlig normal, dass wir unseren Körpergeruch überprüfen.

"Löw spielt Taschenbillard deluxe", "Handspiel auf der Trainerbank", "Smells Like Team Spirit": Die Schlagzeilen nach dem 2:0 der deutschen Mannschaft hatten nicht nur mit Fußball zu tun. Kurz nach dem Spiel verbreitete sich ein kurzes Video im Netz. Darin zu sehen: Bundestrainer Jogi Löw der sich beherzt in die Hose greift. Aber damit nicht genug: Als er anschließend auf der Trainerbank Platz nimmt, führt er seine Hand zur Nase und riecht dran.

Manche fanden es witzig, dass Jögi mal kurz checkt, wie es unterhalb seiner Gürtellinie riecht, viele finden das peinlich und ekelerregend. Wie kann der smarte Jogi sowas nur tun – und dann auch noch in der Öffentlichkeit?

Warum überprüfen wir unseren Körpergeruch?

Höchste Zeit, der Frage nachzugehen: Wie normal ist das eigentlich, den eigenen Geruch zu überprüfen? Studien zu dem Thema gibt es bisher kaum. DRadio-Radio-Wissen-Reporterin und Biologin Verena von Keitz hat ihre ganz persönliche Theorie: Wie wir uns im Spiegel ansehen, um unser Aussehen zu checken, riechen wir auch an unserem Körper, um unseren Geruch zu überprüfen.

"So wie wir uns im Spiegel anschauen, um zu gucken, wie wir aussehen und welchen Eindruck wir auf andere machen, checken wir vielleicht auch unbewusst unseren Körpergeruch."
DRadio-Wissen-Reporterin und Biologin Verena von Keitz

Forschern zufolge spielt der Geruch auch bei der Partnerwahl eine Rolle. Ohne es zu merken, suchen wir uns einen Partner, der anders riecht als wir selbst: Unterschiedliche Gerüche lassen auf unterschiedliche Immunsysteme schließen und in der Kombination könnten wir dem Nachwuchs dann besonders viel Abwehrkraft mit auf den Weg geben.

Was wir mit den Affen gemeinsam haben

Der Blick ins Tierreich verrät: Auch Grillen und Gorillas überprüfen ihren Körpergeruch und richten ihre Partnerwahl danach aus. Menschenaffen können ihren Eigengeruch sogar bewusst manipulieren, etwa wenn Rivalen in der Nähe sind. "Da liegt es nicht fern, dass sie ihren Eigengeruch auch überprüfen und gegenchecken", sagt Verena von Keitz. Auf uns Menschen ist das natürlich nicht eins zu eins übertragbar. Schließlich haben wir ein Schamgefühl, dass uns davon abhält, bestimmte Dinge in der Öffentlichkeit zu tun. "Aber in angespannten und aufregenden Situation kann das eben doch mal unbewusst passieren."

Ein animalistischer Reflex

Auch Johannes Wimmer glaubt bei Jogi Löws Geste an ein völlig normales, instinktgetriebenes Verhalten. "Das ist eine sozial nicht unbedingt akzeptierte Handlung. Aber ich habe online nachgeschaut, es ist unfassbar, wie viele Leute in Foren sagen, dass sie das selber machen."

"Wir machen das wohl, weil wir selber nicht direkt dran schnuppern können."
Dr. Johannes Wimmer

"Und flutsch, ist es passiert"

Der beherzte Griff in die Hose könnte aber auch eine Verlegenheitsgeste sein, sagt Johannes Wimmer, die in Situationen auftritt, in denen wir unsicher sind. "Das machst du nicht, wenn du vor Selbstbewusstsein strotzt. Dieses Rumnesteln kann dann auch in der Öffentlichkeit passieren." Dabei seien wir instinktgetrieben, ähnlich wie beim Gähnen. Das können wir auch nicht mit dem Verstand steuern. "Für jemanden wie Jogi Löw, der ständig abgelichtet wird, gibt es auch nicht mehr diesen Adrenalinschub, der mitteilt: Da schauen jetzt zigtausend Menschen zu. Da hat einfach das Stammhirn übernommen und gesagt, das machen wir jetzt. Und flutsch, ist es passiert."