Wirtschaftsflauten gab es schon immer. Aufschwung, Abschwung – das begleitet uns Menschen durch alle Kulturen und Wirtschaftsformen. Im Kapitalismus sind sie wiederkehrende, rhythmische Erscheinungen. Die Geschichte der wirtschaftlichen Krise und welche Rolle Corona aktuell dabei spielt, beleuchtet der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe.

Auf die sieben fetten folgen sieben magere Jahre – Konjunkturschwankungen kannten schon die biblischen Ägypter. Ihre wirtschaftlichen Probleme waren prototypisch für Agrar- und Ernährungskrisen. Im modernen Kapitalismus haben Krisen meistens andere Voraussetzungen.

"Krisen sind heute zu wiederkehrenden, geradezu rhymthischen Erscheinungen geworden."
Werner Plumpe, Wirtschaftshistoriker

Aufschwung, Abschwung, Rezession, erneuter Konjukturanzug – unser Redner beschreibt das als Zyklus. Krisen gehören demnach zum Kapitalismus, ermöglichen und bedingen Wandel und Entwicklung. Werner Plumpe begreift auch die vielfach geschmähte Spekulation als integralen Bestandteil dieser Aufs und Abs.

"Spekulation ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es zu wirtschaftlicher Entwicklung kommt. Und nicht nur zu einer Wiederholung des bereits Bekannten."
Werner Plumpe, Wirtschaftshistoriker

Globale Verschärfung durch Corona

Bis zum Ersten Weltkrieg gingen viele davon aus, so Plumpe, dass Wirtschaftskrisen sich im Laufe der Zeit von selbst erledigen. Dass sie sogar nützlich sein könnten, um den kapitalistischen Prozess zu bereinigen – in einer Art "Reinigungskrise". Nach der Weltwirtschaftskrise aber setzte sich die Einsicht durch, dass politisch gegengesteuert werden müsse, andernfalls würden große Teile der Gesellschaft verarmen.

"Die Corona-Krise hat die ökonomischen Schwierigkeiten global dramatisch verschärft. Es scheint ein schwerer Rückschlag zu drohen, der das Ausmaß der Krise von 2008 deutlich übersteigen dürfte".
Werner Plumpe, Wirtschaftshistoriker

Nun kommt aber das Virus noch dazu. Corona betrifft nicht nur ein Land oder einen Kontinent, sondern die Weltwirtschaft. Welche Instrumente und Methoden können die Folgen der Krise mildern? Wie umgehen mit den in die Höhe schnellenden Staatsschulden? Auch das wird im Vortrag und in der anschließenden Diskussion thematisiert.

Der Vortrag

Werner Plumpe lehrt Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seinen Vortrag über "Wirtschaftskrisen - Geschichte und Gegenwart" hat er am 30. März 2020 gehalten, auf Einladung der Reihe vhs.wissen live. Im Rahmen dieser digitalen Wissenschaftsreihe wurde im Anschluss noch diskutiert. Die Fragen aus dem Chat übermitteln Claus Lüdenbach, vhs Erding und Christof Schulz, vhs München Südost.

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderation:  Katja Weber
  • Vortragender:  Werner Plumpe, Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Diskussionsteilnehmer:  Werner Plumpe, Claus Lüdenbach, vhs Erding und Christof Schulz, vhs Südost im Landkreis München