Nach einem Gefängnisaufenthalt ist es oft eine Auflage, dass Straftäter an den Ort zurückkehren, an dem sie festgenommen wurden. Eine Studie zeigt: Dadurch werden Ex-Häftlinge eher wieder rückfällig.

Fast jeder Hundertste sitzt in den USA im Gefängnis. In Deutschland ist es im Vergleich noch nicht einmal jeder Tausendste. Die Mehrheit der Kriminellen kommt aus sozial schwachen Gegenden und kehrt nach dem Knastaufenthalt wieder dorthin zurück. Sie befinden sich in einer gesellschaftlichen Sackgasse. Oft kommt hinzu, dass sich auch andere Kriminelle in ihrem Bekanntenkreis befinden. In solchen Fällen ist die Rückkehr in das alte Viertel, die alten Gewohnheiten und zu den alten Freunden eher kontraproduktiv und führt dazu, dass sie schneller rückfällig werden. Das besagt eine Studie, die der US-Wissenschaftler David Kirk von der Universität von Texas durchgeführt hat.

"When you have many individuals coming back to neighbourhood who may have had some negative experiences with the criminal justice system. This may create a culture where not only ex-offenders are cynical of justice-system, but also non-criminals residents come to think that the police are out to get them."

Je mehr Ex-Straftäter in einem Viertel, desto höher die Rückfallquote

Der Hurrikan Katrina, der 2005 weite Teile des Südostens der USA verwüstete, trug dazu bei, dass der Soziologe David Kirk seine These nachweisen konnte. Aufgrund der verheerenden Schäden konnten Ex-Häftlinge nicht in ihre Heimatorte zurückkehren. Sie mussten sich in anderen Städten eine neue Existenz aufbauen. Dadurch konnte David Kirk feststellen, dass in den Gebieten, wo viele Ex-Kriminelle hinkamen, auch die Rückfallquote höher war. Bei einem neuen entlassenen Häftling pro Postleitzahl lag die Chance bei gut 20 Prozent, dass derjenige innerhalb eines Jahres wieder in Haft sitzt. Bei fünf Ex-Häftlingen lag die Quote schon bei fast 35 Prozent.

"The message is: moving back to an old neighbourhood is often a bad thing and individuals can benefit from a fresh start."

Bewährungsauflagen kontraproduktiv

Soziologe David Kirk plädiert dafür, dass man den Ex-Häftlingen bei der Wohnungs- und Jobsuche helfen könnte. Oft kehren die Straftäter in ihren früheren Heimatort zurück, weil sie sowieso keine anderen Optionen haben. Außerdem zwingt die Bewährungsauflage mancher US-amerikanischen Bundesstaaten dazu. Wenn man nach David Kirks Studie geht, ist das aber völlig kontraproduktiv und sorgt eher dafür, dass die US-amerikanischen Gefängnisse genauso überfüllt bleiben, wie sie es zurzeit sind.