Haben Tiere eine Kultur? Ja, absolut, sagen viele Verhaltensbiologen. Damit gemeint sind Techniken und Traditionen, die ihnen nicht angeboren sind, sondern die sie lernen - von ihren Eltern oder von Mitgliedern ihrer Gruppe. Das gilt zum beispiel für bestimmte Jagdtechniken. Eine Gruppe von Forschern hat sich jetzt angeschaut, wie Schimpansen in Uganda aus einem Wasserloch trinken. 

Seit den 1990er Jahren beobachten die Forscher eine Schimpansengruppe in einem ugandischen Nationalpark. Im Jahr 2011 haben sie zum ersten Mal gesehen, dass die Affengruppe auf eine ganz besondere Art und Weise trinkt. Sie nennen es die Moos-Technik. Das Alpha-Männchen nahm damals ein Moosbüschel, tunkte es ins Wasser und drückte es dann über dem Maul aus. Sieben weitere Affen aus seinem näheren Umfeld kopierten diese Trinktechnik. Vorher hatten die Affen die Schöpftechnik angewendet, indem sie Wasser mit einem Blatt aus dem Loch zum Maul führten.

Wissenstransfer bei Affen

Sechs Jahre später haben die Wissenschaftler eine Studie dazu gemacht. Sie wollten wissen, ob die Affen und wie viele von ihnen die Technik noch beherrschen. Dazu haben die Forscher gezielt Moos an dem Wasserloch ausgelegt. Das Ergebnis: Die Technik hat sich in der Gruppe weiter verbreitet. Tatsächlich wenden inzwischen 17 Tiere die Schwammtechnik an, darunter auch Jungtiere. Die Forscher folgern daraus, dass Mütter die Technik an ihre Jungen weitergegeben haben.

Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass Kulturtechniken in Gruppen weitergegeben werden. Sie vermuten, dass auch die allerersten Menschen bereits ein Sozialleben gehabt haben müssen, das dem der Schimpansen ähnelt. Dass sie also Gruppen von Individuen bildeten, die sich immer wieder mal neu zusammensetzen. und wir uns auf diese Weise im Lauf der Zeit weiterentwickelt haben. Eine wichtige Rolle bei diesem Lernprozess spielen Mütter und später auch enge Verwandte.