WLAN und Internet für alle - yay! Alter Hut? Ja, mag sein. Aber nicht auf Kuba, wo Menschen sich zurzeit hübsch zurechtgemacht auf den Plätzen der Hauptstadt zusammenfinden, weil es frei verfügbares WLAN gibt.

Heiß begehrt, aber teuer sind die Telefonkarten, die die Kubaner kaufen müssen, um das WLAN-Angebot zu nutzen. In langen Schlangen stehen die Bewohner Havannas vor den Postfilialen. Wer eine Karte ergattert hat, kann sich glücklich schätzen. Zwei Euro kostet die Internetnutzung pro Stunde.

"Ich glaube, dass die Kubaner noch keine Kultur haben, das Internet als Informationsmedium zu nutzen. Im Moment nutzt jeder das Netz nur zum Kommunizieren. Mit den Freunden und der Familie."
Laura, Kubanerin

Zurzeit nutzen die meisten Whatsapp, Facebook und Videochats, um mit ihren Familien und Freunden zu nutzen. Dabei wäre viel mehr möglich: Von Pornoseiten über kritische Nachrichtenseiten aus dem Ausland - alles ist frei verfügbar. Gesperrt sind nur amerikanische Anbieter wie zum Beispiel Skype oder Paypal. Das liegt aber an den USA, weil das Embargo keine Geschäfte in Kuba erlaubt.

"Eigentlich ist alles zugänglich. Wenn ich auf eine Seite will, dann komme ich da auch drauf. Es gibt ja zum Beispiel Apps, über die kommst du überall rein. Es gibt viele Möglichkeiten."
Marco, Kubaner

Das heißt: Nach acht Stunden hätte ein durchschnittlicher kubanischer Arbeiter sein gesamtes Monatsgehalt ausgegeben. Um ins Netz zu kommen, braucht man für jede Stunde eine Guthabenkarte.

Überall rund um den Revolutionsplatz im Zentrum von Havanna stehen Schwarzmarkthändler, die illegal Karten anbieten. Nicht nur die Schwarzmarkthändler verdienen an dieser Neuerung. Viele Kubaner hoffen auf mehr Jobs und einen wirtschaftlichen Aufschwung durch das mediale Angebot.

"Wir werden viel über die Welt lernen, und die Welt viel über uns. Wir könnten uns den Vereinigten Staaten annähern. Das Internet ist gut für die Wirtschaft und für Arbeitsplätze."
Laura, Kubanerin

So wie die Telefonkarten ist auch vieles andere auf Kuba noch Mangelware. Viel Nachfrage, wenig Angebot. Vermutlich wird sich die digitale Öffnung des Landes auch auf Kubas Politik auswirken. Noch zelebrieren die Einwohner Havannas die neuen medialen Möglichkeiten: Sie ziehen sich hübsch an und verabreden sich zur Internetnutzung auf den Plätzen wie zu einem Date.

"Es ist wie das erste Mal mit einer Frau schlafen. Es ist sehr emotional, aber auch schwierig. Wir kannten das Internet aus dem Fernsehen. Jetzt ist es da!"
Marco, Kubaner

Bildergalerie - Wie beim ersten Mal: endlich frei verfügbares WLAN auf Kuba