Ein angeblich sanierter Plattenbau in Schwerin. Darin: Wohnungen, deren Wände vor Schimmel strotzen. Die Verwaltung reagiert nicht. Der Eigentümer? Unklar.

Eine Wohnung in einem Plattenbau in Schwerin. Dort wohnt eine vierköpfige Familie: zwei Erwachsene, zwei Kinder. Sie sind verzweifelt, denn aktuell ist nur noch ein Zimmer benutzbar, das Wohnzimmer. In allen anderen Räumen sind die Wände massiv von Schimmel überzogen. Das ist das Bild, dass sich dem Rechercheteam um die Journalistin Susanne Tappe bietet, als sie sich die Wohnung ansehen. Die Verwaltung hat bislang nicht reagiert, sagen die Mieter. Deshalb beschließt Susanne Tappe, beim Schweriner Mieterschutzbund nachzufragen, wer eigentlich der Eigentümer des Wohnkomplexes ist.

"Die sitzen jetzt also mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern auf dieser großen Couch, und da spielt sich das ganze Leben ab: essen, schlafen, spielen."

Doch auch der Mieterschutzbund ist machtlos. Denn es ist nicht klar, wer der Eigentümer dieser Immobilie ist. Weitere Recherchen führen zunächst zu einer deutschen GmbH. Dass Immobilien einer GmbH gehören, sei relativ üblich, sagt Susanne Tappe. Denn bei größeren Immobilien wird zur Verwaltung eine GmbH gegründet, die ausschließlich für diese Immobile zuständig ist. Im Falle des Schweriner Plattenbaus gehört die GmbH aber nicht einem Menschen, stattdessen ist ein Unternehmen auf Zypern der Betreiber. Weil auf mehrfache Nachfrage keine Antwort kommt, sucht das Rechercheteam den Betreiber irgendwann vor Ort auf: "Und da standen wir dann eben im Extremfall vor so einem Briefkasten", sagt Susanne Tappe.

Verschobene Anteile, unklare Zuständigkeit

Die Journalisten hinterlassen tatsächlich Briefe und bekommen irgendwann dann doch einen Investor zu fassen. Der erklärt dann einige Dinge immerhin schriftlich sehr ausführlich. Dabei kommt heraus, dass dieser Investor bereits zu großen Teilen wieder an einen Aktienkonzern verkauft hat. In Schwerin hat das aber niemand bemerkt.

Dass man in Deutschland von solchen Verkäufen gar nichts mitbekommt, liegt zum einen daran, dass das über Unternehmen im Ausland läuft, sagt Susanne Tappe. Zum anderen liegt das an dem Prinzip, dass nicht die Immobilien selbst verkauft werden, sondern die Anteile an dem Unternehmen, dem die Immobilie gehört. "hare Deal" nennt sich das.

Das heißt im Klartext: Die Immobilie selbst gehört weiter der deutschen GmbH. Die Anteile an der GmbH aber gehören jetzt einem Aktienkonzern. Und der hat die Kontrolle über die Immobilie, ohne aber als Eigentümer der Immobilie aufzutauchen.

"Der Aktienkonzern entscheidet, wie viel wann investiert wird. Aber in Schwerin wusste das keiner."
Susanne Tappe, Journalistin beim NDR

Im Schweriner Fall wurden die Plattenbauten von einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft verkauft mit der Auflage, dass sie zehn Jahre lang nicht weiterverkauft werden dürfen. Wenn aber nicht die Immobilie an sich verkauft wird, sondern das Unternehmen, dem die Immobilie gehört, taucht das nirgendwo auf.

Der Familie, die das Rechercheteam besucht hat, hilft die Aufklärung nicht. Die haben inzwischen aufgegeben, erzählt Susanne Tappe, und sich in Schwerin was anderes gesucht. Das war allerdings nicht so einfach, denn die Miete in dem Plattenbau war sehr günstig.

Mehr zur Recherche und den Hintergründen gibt es am 09. April 2019 in der NDR Sendung "Panorama 3".