Manche Mieter*innen scheinen die Wohnungsnot ausnutzen zu wollen und fordern hohe Ablösesummen für die Möbel, die sie nicht mitnehmen wollen.

Ein Paar auf Wohnungssuche in der Großstadt: Viktoria hat in diesem Jahr mit ihrem Freund eine Wohnung in Köln gesucht. Sie haben sich sehr viele Wohnungen angesehen. Ein halbes Jahr lang haben sie vier Wohnungen pro Wochenende besichtigt. In den meisten Fällen haben die aktuellen Mieter, die Übernahme von Schränken, der Küche und anderen Einrichtungsgegenständen gewünscht. Bei einer Küche liege das nahe, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau, weil diese in den meisten Fällen auf die Wohnung zugeschnitten sei, bei anderen Möbeln hingegen nicht.

14.000 Euro für Übernahme von Einrichtung gefordert

In einem Fall habe der Mieter einer fast komplett möblierten Wohnung rund 14.000 Euro für die Übernahme der Möbel gefordert. Obwohl die Wohnung den beiden Wohnungssuchenden gefallen hat und die Möbel hochwertig waren, sind sie auf das Angebot nicht eingegangen,

"Also eine Ablöse war eigentlich immer im Spiel. Es gab wirklich ganz, ganz selten Wohnungen, wo keine Ablösung verlangt wurde. Und ich meine, das ist natürlich auch in Ordnung, wenn die Ablöse dann angemessen ist."
Viktoria hat mit ihrem Freund eine gemeinsame Wohnung in Köln gesucht

Dass solche Forderungen zugenommen haben, weiß auch der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds NRW, André Juffern. Aus seiner Sicht grenze das in einigen Fällen auch an Wucher, da die geforderten Preise völlig überhöht seien.

Berechnen, ob die Preise wirklich fair sind

Um herauszufinden, ob der geforderte Preis für ein Möbelstück gerechtfertigt ist, gelte es den Zeitwert zu berechnen, erklärt Nico Rau. Dafür gebe es eine Formel, die allerdings etwas kompliziert sei, jedoch für alle Möbel und Küchen gelte. Einen entsprechenden kostenlosen Rechner findet ihr im Netz.

Die Faustregel: Der Zeitwert plus 50 Prozent, also wenn eine Küche noch 1.000 Euro wert ist, dann darf der Vormieter nicht mehr als 1.500 Euro dafür fordern, sonst sei der Kaufvertrag nicht gültig. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Möbelablöse hat das so festgelegt.

"Was zugenommen hat: Es geht nicht nur darum, Sachen zu verkaufen, sondern es wird die Notlage auf dem Wohnungsmarkt ausgenutzt. Und dann wird da, gelegentlich bis zum Wucher, der Preis überhöht."
André Juffern, Geschäftsführer Mieterbund NRW

Es gibt keine Pflicht, Möbel zu übernehmen, aber es ist meist so, dass die Wohnungsinteressenten keinen Kontakt zum eigentlichen Vermieter haben. Der Kontakt läuft oft über die aktuellen Mieter. Viele Wohnungssuchende übernehmen dann die Möbel und zahlen die geforderte Ablösesummen, um den Zuschlag zu bekommen.

Mehr bezahlbarer Wohnraum würde Notlage mindern

Der Deutsche Mieterbund gibt beispielsweise den Tipp, bei einer anderen Wohnung im Haus zu klingeln und die Telefonnummer des eigentlichen Vermieters oder der Vermieterin zu erfragen. So könne man theoretisch die Vormietenden umgehen.

Ob das eine praktikable Lösung sei, bezweifelt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau allerdings. Eine echte Lösung wäre aus seiner Sicht, wenn sich Städte und Kommunen darum bemühen würden, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, indem mehr gebaut und gefördert würde.