Kaschmir wird aus der Unterwolle von Kaschmirziegen hergestellt - und ist ein Luxusprodukt. Weil es teuer ist, landet immer wieder behandelte Schafswolle statt Kaschmir im Pulli.

Kaschmirwolle stammt von kleinen Kaschmirziegen, die in der Mongolei und im Hochland von China leben. Es gilt als eines der weichsten Tierhaare überhaupt. Die Wolle wird aus dem weichen Unterfell der Tiere hergestellt: Im Frühjahr wird sie beim Fellwechsel rausgekämmt oder gezupft und dann verarbeitet. Das ist aufwendig: Für einen Kaschmirpullover benötigt man das Unterfell von drei bis fünf Ziegen. 

Fälscher verwenden oft Schafswolle, die sie durch chemische Bearbeitung weicher machen. Das Fake-Kaschmir ist auch nur so lange kuschelig und weich, bis man es ein paar mal gewaschen hat, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Sie hat Kaschmirexperte Kim Ho Phan zu dem falschen Kaschmir befragt:

"Das ist ein sehr schneller, chemischer Prozess: Die Wolle wird ein paar Sekunden in ätzende Säure hineingebracht, dann werden die Schuppen schon genügend angeätzt und anschließend wird die Wolle mit Silikon behandelt. So fühlt sie sich weicher an."
Kim Ho Phan, Kaschmirexperte mit eigenem Echthaar-Labor
Waschzettel in einem Kaschmirpullover.
© imago | Schöning
Nicht immer ist tatsächlich drin, was draufsteht.

Die Kaschmirfälschung aus Schafswolle vom Original zu unterscheiden, ist gar nicht so einfach. Den Unterschied in der Struktur der Haare erkennt man am besten unter dem Raster-Elektronenmikroskop. Das ist die offiziell anerkannte Prüfmethode, die Kaschmir-Experte Kim Ho Phan mitentwickelt hat. Die Fälschungen werden immer besser, sagt er, deswegen brauchen die Prüfer eine gewisse Erfahrung, um den Unterschied zu erkennen.

Die deutschen Verbraucher haben Glück, da die Waren ständig kontrolliert werden. Nicht von den Importeuren selbst, sondern von den Mitbewerbern. Das heißt, der Markt ist in den letzten fünf, zehn Jahren viel sauberer geworden."
Kim Ho Phan, Kaschmirexperte mit eigenem Echthaar-Labor

In seinem Echthaar-Labor entdeckt Kim Ho Phan Fälschungen, insbesondere dann, wenn das Kleidungsstück als 100-prozentiger Kaschmir ausgezeichnet wurde. Oft enthalten diese Kleidungsstücke weniger als ein Prozent Kaschmir. Ihr Herkunft ist meist schwer nachvollziehbar - sie können aus dem Internet stammen oder von Kleidermärkten aus dem Ausland.