Work and Travel - das geht nicht nur in Australien, das klappt auch in Brandenburg - nur etwas anders: Auf einem alten Gutshof treffen sich dort Menschen, die Ruhe fürs Arbeiten brauchen.

Draußen lärmen Bauarbeiter, Beton versperrt den Horizont, und die Arbeit auf dem Schreibtisch wird nicht weniger: Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Schottner wohnt in Berlin und ist schon häufiger an der Hauptstadt verzweifelt. Wenn die Konzentration fehlt und die Stadt einen nicht in Ruhe arbeiten lässt. Deswegen ist er rausgefahren aufs Land, in der Hoffnung, einen Ort zum konzentrierten Arbeiten zu finden. Mit Erfolg.

"Wenn man seine Arbeit liebt, ist Arbeit und Leben kein Widerspruch. Man muss immer wieder die Balance finden. Das ist hier auf dem Land, wo man auch eine klare Taktung hat, einfacher als woanders."
Iris - betreibt das Coconat in Klein Glien in Brandenburg

Klein Glien liegt im Süden Brandenburg, in den Hügeln des Naturparks Hoher Fläming. Der Ort hat knapp 100 Einwohner. Hier hat Iris ein altes Gutshaus gekauft - mit Scheune, Remise und Parkanlage. Iris hat beruflich mit Medien zu tun und wohnte vorher in Berlin. Irgendwann ging das aber nicht mehr, weil es in der Stadt immer Ablenkungen oder Störungen gab. Iris suchte einen Rückzugsort. Seit Mai 2017 betreibt sie mit zwei Freunden das Coconat, eine Mischung aus Co-Working-Space und Hostel. 

Kärtchen mit Fotos hängen an einer Wand.
© Dominik Schottner | Deutschlandfunk Nova
Wie viele der 38 Betten besetzt sind, kann man an den Kärtchen ablesen.

Das Coconat - eine Abkürzung für "Community and concentrated work in nature" - ist eine Art Bürogemeinschaft auf dem Land für geplagte Großstädter. Sie leben und arbeiten hier an ihren Projekten. Die Kärtchen am Eingang zeigen an, wer zur Zeit im Gutshaus Zuflucht sucht.

Frühstück um 8, Mittagessen um 1 Uhr

Das alte Gebäude bietet viele Räume zum Arbeiten. Es gibt eine Bibliothek, einen Yogaraum und bald auch ein Baumhaus. Der Stil: Hipster-Café meets Improtheater meets Dorfkrug, findet Dominik Schottner. Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, ein Hobbykoch aus dem Ort steht für die Gäste in der Küche.

Dank Glasfaser bleibt die Stadt in Reichweite

Wer nur hin und wieder schnelles Internet braucht, wird in der Brandenburger Abgeschiedenheit gut versorgt. Für Nico und Michaela funktioniert das. Sie sind hier, um sich zwischen ihren Reisen mal zu konzentrieren - zu arbeiten, erzählen sie unserem Reporter. Sie sind digitale Nomaden und verkaufen im Netz Ernährungstipps und Kochbücher. 

"Wir müssen uns jetzt mal konzentrieren und können nicht jeden Tag was Neues anschauen oder nur am Strand oder in den Bergen sein. "
Nico und Michaela
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Einer, der seit drei Monaten im Coconat wohnt, ist Kieran - 3D-Animator aus San Francisco. Gegen Arbeit auf dem Hof, im Hostel und im Café bezieht er hier kostenlos ein Zimmer. Für ihn lief es in Berlin beruflich nicht wie gedacht, vertraut er unserem Reporter an. Von der Geschwindigkeit und dem Puls der Großstadt will er Abstand gewinnen, darum ist er da.

"Ich mag Berlin sehr, aber als ich hierher gekommen bin, habe ich wirklich gedacht, dies ist mehr mein Speed fürs Leben."
Kieran, 3D-Animator aus San Francisco