Auch im Mittelalter wurden Menschen bereits verarztet. Mehr oder weniger erfolgreich. Medizinisch gelang einfach noch nicht alles. Trotzdem ist eine Salbe von damals wohl ziemlich wirksam - unsere Medikamente steckt sie zumindest in die Tasche.

Forscher der Uni Nottingham haben herausgefunden, dass eine Salbe von damals sogar besser wirkt als unsere heutigen Medikamente. Um solche alten Heilmittel herzustellen, sind in Bald’s Leechbook hunderte Krankheiten und Wehwehchen beschrieben. Vermutlich im 10. Jahrhundert hat sie ein Medizinkundiger im alten England gesammelt.

"Sei ein Mann zu langsam beim Kinderzeugen, koche Ackerkraut in Milch, dann gebest du ihm Mut. Falls ein Mann sich übertrunken hat, lasse ihn Betonie in Wasser trinken vor seinem nächsten Bier. Gegen Warzen, mische Hunde-Urin und Mäuseblut und bestreiche die Warzen hiermit."
DRadio-Wissen-Reporterin Sophie Stigler hat Bald’s Leechbook studiert

Im mittelalterlichen Rezept für Zahnpasta steht zum Beispiel "gegen faulen Atem von Männern". Weiter ist von Würmern in den Zähnen und Erektionsstörungen bis zu eruptiven Warzen die Rede. Natürlich jeweils mit Gegenmittel.

Zahnbürste mit Zahncreme
© DRadio Wissen | Stigler
DRadio-Wissen-Reporterin Sophie Stiegler hat aus Gerste, Salz und Honig Mittelalter-Zahnpasta hergestellt.

So seltsam, wie manche Tinkturen auch klingen, einige von ihnen helfen hervorragend. Das vermutet ein Forscherteam der Uni Nottingham. Christina Lee ist dort Dozentin für Altenglisch und hat zusammen mit einer Mikrobiologin eine Salbe gegen Infektionen im Auge aus dem Leechbook hergestellt.

"Es ist ein überschaubares Rezept, weil es nur 15 Zutaten hat und relativ einfach zu machen ist. Wir haben festgestellt, dass es die Staphylokokkenbakterien zu 99,9 Prozent kaputtmacht. Das hatten wir nicht erwartet."
Christina Lee ist Dozentin an der Uni Nottingham

Das Rezept gegen Augeninfektion: Knoblauch, Zwiebeln, Ochsengalle und Wein in einem Kupferkessel neun Tage ziehen lassen, dann mit einer Feder ins Auge schmieren. Das Produkt haut die Forscher um: Es tötet die untersuchten Bakterien in der Petrischale und auf den Wunden von Mäusen. Und zwar solche Bakterien, die multiresistent sind, also denen die Standardantibiotika kaum etwas anhaben können.