Es gibt Asylbewerber, die wir bevorzugen. Christen zum Beispiel. Genau deswegen lassen sich Christen womöglich leichter integrieren. Weil wir es ihnen leichter machen.

Für eine Studie für das Science-Magazin ließ ein Forscherteam 18.000 Europäer 180.000 Asyl-Anträge bewerten. Der Wunsch-Asylbewerber sollte eine Frau sein, Christin, unsere Sprache sprechen können, idealerweise als Ärztin oder Lehrerin gearbeitet haben und gefoltert worden sein. Das alles gibt Sympathie-Punkte. Negativ bewertet wurde, wenn jemand Muslim ist.

Tatsächlich begegnet uns in letzter Zeit häufiger - auch von Politikern - die These, dass sich Christen besser integrieren lassen. Ex-Familienministerin Kristina Schröder schrieb erst vor Kurzem im Cicero:

"Christen lassen sich in Deutschland leichter integrieren als Muslime. Man sollte es schlicht mal so benennen."
Kristina Schröder im Cicero

Eine Aussage, die sich laut Historiker Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück nicht belegen lässt. Man könne nicht ausmachen, ob Christen, die beispielsweise aus dem Nahen Osten zu uns kommen, bessere Voraussetzungen für eine Integration mitbringen als Muslime. Bildungsvoraussetzungen seien entscheidend - das lasse sich aber nicht am Glauben festmachen.

"Es verbreitet sich das Bild vom anpassungsfähigen Christen"

Sollte es so sein, dass Christen sich besser integrieren lassen, dann liegt das an uns, sagt Oltmer. Heißt: Christen lassen sich besser integrieren, weil wir sie eher akzeptieren als Muslime - einfach weil sie Christen sind und unabhängig davon, ob die religiöse Ausrichtung (Christ, Muslim etc.) eine praktische Konsequenz für das Miteinander hat.

"Wir wissen, dass in Deutschland Vorstellungen umgehen, wonach bestimmte Gruppen als für eine deutsche Gesellschaft passend empfunden werden."
Jochen Oltmer

Oltmer beobachtet, dass sich spezifische Bilder über Zuwanderer entwickeln und festigen. Maßgebliche Aspekte sind Nützlichkeit oder "Gefährlichkeit". Und das Bild vom Christen, der eher anpassungsfähig ist als Muslime, verbreitet sich aktuell. Der Historiker sagt:

"Wir müssen uns immer wieder kritisch mit unseren eigenen Wahrnehmungen, Bildern und Vorstellungen auseinandersetzen und immer wieder explizit danach fragen, warum wir bestimmte Gruppen oder Menschen eher als zugehörig verstehen oder eher als fremd."