Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um am Yukon Arctic Ultra Marathon teilzunehmen. In nur 13 Tagen müssen über 700 Kilometer zu Fuß zurücklegt werden und das bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad. Perfekte Bedingungen für Jörn Theissig, der dem Start und unglaublichen Momenten entgegefiebert.

In seinem normalen Leben ist Jörn Theissig Polizist, aber er ist auch Extremsportler. Und extremer als der Yukon Arctic Ultra Marathon geht es kaum. Wer hier mitmacht, darf sich zurecht zu den härtesten Sportlern der Welt zählen.

Los geht das Rennen im kanadischen Whitehorse, Ziel ist Dawson City. Dazwischen liegen über 700 Kilometer Wildnis, absolute Einsamkeit und eisige Kälte. „Ich muss insgesamt 14 bis 16 Stunden am Tag laufen, um das Laufpensum von etwas über 60 Kilometern täglich absolvieren zu können“, sagt Theissig. Knapp die Hälfte der Zeit bewegen sich die Läufer dabei in völliger Dunkelheit:

"Ich laufe nur im Schein meiner Stirnlampe, werde aber auch in der Dunkelheit durch das Polarlicht belohnt. Es ist herrlich nachts über einen zugefrorenen See zu laufen und ein Teil von diesem gigantischen Naturspektakel sein zu dürfen"
Jörn Theissig, Teilnehmer am Yukon Arctic Ultra Marathon

Vorbereitung in der Kältekammer

Jörn Theissig läuft das Rennen nicht zum ersten Mal, schon 2013 hat er an dem Marathon teilgenommen. Vor zwei Jahren lief nicht alles rund, dieses Jahr soll es besser klappen. Grundvoraussetzung ist die richtige psychische und physische Vorbereitung. Trainiert wird in der Kältekammer und zum Joggen nimmt Theissig gerne auch mal Autoreifen mit in den Park.

"Die Natur wird einem ziemlich schnell zeigen, was für ein kleines Licht man in der Welt ist und auf diese Situation muss man eingestellt sein, um die mentalen Tiefpunkte zu überwinden"
Jörn Theissig, Teilnehmer am Yukon Arctic Ultra Marathon

Während des Rennens müssen die Teilnehmer immer wieder Checkpoints passieren, nur liegen die 40 bis 160 Kilometer auseinander. Wer nicht rechtzeitig auftaucht, wird mit dem Schneemobil gesucht und womöglich evakuiert. Theissig muss alles an Verpflegung mitnehmen, was er braucht: hochkalorienreiches Essen, um nicht abzumagern bei diesen kräftezehrenden Bedingungen, Schlafsachen oder eine Schaufel, um sich ein Loch zum Schlafen zu graben.

"Ich liebe es vor allem auch, das ich mental an meine Grenzen gehen kann und hier oben lernt man so Werte wieder kennen wie Demut, Dankbarkeit und Wertschätzung"
Jörn Theissig, Teilnehmer am Yukon Arctic Ultra Marathon