Seit zehn Jahren ist Horst Seehofer CSU-Vorsitzender. In seiner Partei ist der Spitzenpolitiker recht beliebt. Was ist in der Zeit passiert? Wir ziehen Bilanz – mit unserer Korrespondentin in Berlin.

Am 25. Oktober 2008 wurde Horst Seehofer als Nachfolger zum Vorsitzenden der CSU gewählt – mit 90,3 Prozent der Stimmen. Er hat den Vorsitz in einer schwierigen Situation von seinem Vorgänger Erwin Huber übernommen. Damals verlor die CSU erstmals seit vierzig Jahren die absolute Mehrheit in Bayern. Heute (Stand 25.10.2018) ist Horst Seehofer Bundesinnenminister.

Kritiker des CSU-Politikers fordern seit Langem seinen Rücktritt – zum Beispiel mit einer Erklärung. Sie reagieren damit auf Horst Seehofers Provokationen. Er sagte im September 2018, die Migrationsfrage sei die Mutter aller politischen Probleme. Auch zeigte er bei einer Pressekonferenz zu Sammelabschiebungen nach Afghanistan ein erstaunliches Maß an Geschmacklosigkeit. Die Pressekonferenz fand an seinem 69. Geburtstag statt. Er sagte, dass ausgerechnet an diesem Termin 69 Personen nach Afghanistan zurückgeführt wurden, sei von ihm so nicht bestellt gewesen.

Amtsübergabe im November 2018?

Wir haben mit Katharina Hamberger aus unserem Hauptstadtstudio über die Personalie Horst Seehofer gesprochen. Sie vermutet, dass sich Seehofers Abschied vom Parteivorsitz so gestalten wird, wie er das plant. Er möchte das Amt bis zum 12. November ausüben.

"Ich glaube, dass er sich bis zum 12. November 2018 retten kann. Das ist der Tag, an dem Markus Söder zum Ministerpräsidenten gewählt werden soll."
Katharina Hamberger, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Katharina Hamberger sagt, dass momentan in der Parteispitze der Wunsch vorherrsche, Geschlossenheit zu zeigen. Man wolle die Koalitionsverhandlungen mit den Freien Wählern in München nicht stören. In seiner Partei rechne man es Horst Seehofer hoch an, dass er 2013 die absolute Mehrheit für die CSU in Bayern wiedergewonnen hat.

Horst Seehofer habe zumindest versucht, die CSU zu verjüngen – jedenfalls symbolisch. Das könne man an der Inszenierung der Parteitage sehen, sagt Katharina. Die Modernisierungskräfte Horst Seehofers sind aber doch begrenzt: Mehr weibliches Führungspersonal – zum Beispiel – habe er nicht aufgebaut.

"Horst Seehofer war dann doch derjenige ohne Alternative und Markus Söder wollten sehr vieles verhindern."
Katharina Hamberger, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Mehr zum Thema CSU und Bayern bei Deutschlandfunk Nova: