2010 flossen in Folge der Deepwater-Horizon-Explosion rund 700 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Forschende haben 2500 Fische im Golf untersucht und Erdölrückstände gefunden.

Die Explosion der Ölförderplattform Deepwater Horizon verursachte die bisher größte Ölpest im Golf von Mexiko: Über Monate hinweg sprudelte nach dem sogenannten Blowout in einer Wassertiefe von 1500 Metern Erdöl in den Golf von Mexiko. Die Folgen für das gesamte Ökosystem, auch für die Fischerei in der Region lassen sich noch lange nicht abschließend bewerten.

Forschende der University of Florida haben massenhaft Fische aus dem Golf von Mexiko über Jahre hinweg auf Erdölrückstände hin untersucht und nun ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Fische mit Ölkontakt

Für die Untersuchung hat das Forschungsteam in den letzten Jahren über 2500 Fische 90 verschiedener Arten analysiert. Dafür hatten sie knapp 360 unterschiedliche Stellen im Golf von Mexiko ausgewählt. Das Ergebnis: In jedem untersuchten Fisch konnten Ölrückstände gefunden werden.

"Das Forschungsteam hat in den letzten Jahren über 2500 Fische untersucht. Über 90 Arten waren dabei. Bei jedem einzelnen Fisch konnten sie nachweisen, dass sie Öl ausgesetzt waren."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Um den Erdölkontakt der Fische nachweisen zu können, wurde der Anteil von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK, in der Gallenflüssigkeit der Tiere gemessen.

Erdölrückstände können Fische auf Dauer schaden

Diese Stoffe sind die giftigsten Bestandteile des Erdöls und Fische sind normalerweise in der Lage die PAK über die Gallenflüssigkeit in wasserlösliche Stoffe umzuwandeln.

Diese werden dann vom Körper ausgeschieden, können aber auch wieder aus dem Wasser aufgenommen werden. Das Messen der PAK-Konzentration in der Gallenflüssigkeit, ist eine recht gute Methode, um festzustellen, ob ein Fisch vor kurzem Kontakt mit Erdöl hatte.

Sind die Fische durch das Wiederaufnehmen konstant diesen Stoffen ausgesetzt, kann das zu Leberschäden führen. Die Fische können durch die Belastung folglich krank werden.

Fehlende Vergleichsdaten

Sicherlich ist ein Teil der Erdölbelastung auf das Deepwater Horizon-Öl zurückzuführen, der ausschließliche Grund ist die folgende Ölpest jedoch nicht. Aus der Zeit vor der Explosion gibt es keine Vergleichsdaten, es wurden keine größeren systematischen Forschungen zur Erdölkonzentration im Wasser und im Ökosystem des Golfs von Mexiko unternommen.

Ölplattformen könnten zwar eine große, aber nicht die einzige Erdölquelle sein. Zusätzlich können auch Ölaustritte aus Motorbooten und Flugzeugen oder natürliche Austritte aus dem Meeresboden die Ursache für die erhöhte PAK-Konzentration in den Fischen sein, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi.

"Es gibt generell verschiedene Quellen, wie Erdöl ins Wasser kommen kann. Einerseits natürlich von Ölplattformen, aber auch von Motorbooten oder Flugzeugen. Oder von natürlichem Ölaustritt aus dem Boden."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch wenn an Flussmündungen laut der Forschenden eine erhöhte PAK-Konzentration festzustellen war, die höchste PAK-Konzentration fand sich im nördlichen Golf von Mexiko. Ein Region, in der viel Öl- und Gas gefördert wird, wo eben auch der Standort der Deepwater Horizon lag. Das Öl hat sich über Jahre vor allem im Sediment des Meeresbodens abgelagert. Stürme oder Strömungen wirbeln es immer wieder auf, weshalb vor allem Fische, die am Meeresboden leben, in den Kontakt mit Erdöl und Abbauprodukten kommen, erklärt Sabrina Loi.

"Das Erdöl hat sich größtenteils im Sediment am Meeresboden abgelagert. Aber bei Stürmen oder Strömungen wird das wieder aufgewirbelt. Heißt: Fische, die am Meeresboden leben, kommen immer wieder damit in Kontakt."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Besonders alarmiert waren die Forscher bei der Untersuchung von Barschen. Diese leben in Höhlen am Meeresboden, die sie sich selbst buddeln.

Bei ihnen ist die PAK-Konzentration grundsätzlich höher als bei anderen Fischen. Beim Gelbmaul-Zackenbarsch ist die Konzentration zwischen 2011 und 2017 den Untersuchungsergebnissen zufolge um ganze 800 Prozent gestiegen.

PAK auch in geringer Meerestiefe

Eine weitere überraschende Entdeckung der Forschenden war, dass die höchste PAK-Konzentration beim Gelbflossentunfisch gefunden wurde. Diese Art lebt nicht in der Tiefe, sondern schwimmt normalerweise in den oberen 50 bis 200 Metern. Eine Antwort auf die hohe Konzentration in dieser Wassertiefe konnten die Forschenden noch nicht geben.