Im Time Institute in Windhoek ticken die Uhren anders. Bahee Lüderitz experimentiert mit der klassischen Zeiteinteilung im Auftrag der Regierung. Begleitet werden die Zeitexperimente von der Universität von Namibia, deren Studenten begeistert am althergebrachten Zeitschema rütteln.

Bahee Lüderitz arbeitet im Zeitmuseum in Windhoek und ist Vorsitzender des Time Institutes. Hier forscht er und entwickelt im Auftrag der Regierung Projekte zur Zeitgestaltung.

"Das ist die vielleicht größte Chance für unser Land - und für ganz Afrika! Während die Industrienationen ihre Produktivität erhöhen und fast ausschließlich auf den technischen Fortschritt setzen, werden wir vielleicht etwas Unerhörtes schaffen. Wir werden den Faktor Zeit ganz neu gestalten. Und die Welt wird eines Tages zu uns schauen und sagen: Hey - das ist wirklich großartig!"
Bahee Lüderitz, Zeitforscher

Ganz in der Nähe des Museums liegt die Universität von Namibia, wo die Projektleiterin Suzanne Pohamba die Entwicklungen von Bahee Lüderitz wissenschaftlich begleitet. Ihre Studenten nehmen begeistert an den Projekten teil, denn die jungen Leute hätten ein großes Interesse daran, sich von den alten Mustern der vorherigen Generation zu befreien, erklärt Suzanne Pohamba.

Beispielsweise gibt es eine Projektgruppe, die "Vierzwo" heißt - vier Tage arbeiten und zwei Tage frei. Die Langzeitstudie geht über zwei Jahre. Volkswirtschaftlich eine Katastrophe?

"Das ist ja genau der Irrtum! Wir arbeiten hier eng mit der medizinischen Fakultät zusammen. Durch die ständig steigende Lebenserwartung gleicht sich das in der Gesamtbilanz wieder aus. Außerdem sind die Menschen weniger gestresst, dadurch gesünder und leistungsfähiger."
Suzanne Pohamba, Projektleiterin an der Universität von Namibia

Neben "Vierzwo" gibt es noch die Gruppe "Fünfdrei" - fünf Tage arbeiten, drei frei - und die "Dreivier" - drei Tage arbeiten, vier Tage frei. Die "Dreivier", sagt Bahee Lüderitz, wäre direkt voll gewesen.

Tagesrevoluzzer

Aber das sind noch relativ harmlose Modelle zu dem, in dem der Tag aus den 24-Stunden-Angeln gehoben wird. Diese Projektgruppe nennt Bahee Lüderitz die Tagesrevoluzzer, darin wären die absoluten Freaks, denn die rütteln an den Tageszeiten. Im Keller des Instituts befindet sich ein hermetisch abgeriegelter Kellerraum, darin eine nicht ganz unbekannte Möblierung:

"Das sind die Originalkulissen der Lindenstraße aus dem Fernsehen. Die haben wir nach der ersten Staffel günstig gekriegt. Hier wohnt unsere Testgruppe "28"."
Bahee Lüderitz, Zeitforscher

Testgruppe "28" bedeutet, die Probanden leben einen 28-Stunden-Tag. Eine große Flutlichtanlage simuliert die Tageszeiten: 8-Stunden-Arbeitstag, das ist noch normal, dann vier Stunden Freizeit, etwas mehr als sonst zur Verfügung stünde, dafür werden Sonnenauf- und untergang manipuliert. Und ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist 27:30 Uhr.