Gestern Nacht war es wieder so weit: Die Uhr wurde auf Sommerzeit vorgestellt und hat uns eine Stunde Schlaf geklaut. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn die Zeitumstellung wirklich was bringen würde. Bringt sie aber nicht - das zeigt auch eine neue Untersuchung im Auftrag Bundestages. Nur, warum ändern wir das dann nicht?

Zugegeben, der Tag hat wieder mehr Licht für uns. Das ist nicht ganz so schlecht. Doch wer morgens früh aufstehen muss, startet jetzt wesentlich unausgeschlafener in den Tag. Es ist zwar nur eine Stunde, die da verstellt wurde, aber diese Stunde hat es in sich.

Nein, unser Körper mag das nicht

Das sieht auch der Chronobiologe Thomas Kantermann so, der an der Universität Groningen in den Niederlanden unsere innere Uhr und biologischen Rhythmus erforscht.

"Wir haben einfach einen Störfaktor, der in unseren Alltag reinspielt, der etwas subtil ist, weil wir es nicht direkt merken, der aber chronische Folgen hat, die uns alle betreffen."
Thomas Kantermann, Chronobiologe an der Universität Groningen

Verschiedene Studien zeigen: Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit bringt unsere innere Uhr ziemlich durcheinander – einmal in den ersten Tagen nach der Umstellung, in denen es zum Beispiel mehr Unfälle auf den Straßen gibt, aber auch längerfristig: "Herz-Kreislauf-Probleme, Depressionserkrankungen, mehr Suizide bis hin sogar zu schlechteren Leistungen an der Börse", können die Folgen sein, sagt Kantermann.

Ohne Druck wird sich nichts ändern

Befürworter der Zeitumstellung argumentieren gerne mit der Energieeinsparung durch die bessere Nutzung des Tageslichts. Das wollte jetzt auch der Bundestag noch mal genauer wissen. Das Ergebnis: Energie sparen wir durch die Zeitumstellung kaum, es sind gerade mal 0,2 Prozent.

Etwas ändern an diesem Vor und Zurück könnte die EU. Doch es fehlt an Initiativen durch die EU-Kommission oder Mitgliedstaaten. Sinnvoll wäre es, die individuelle Länderregelung aufzuheben. Der CDU-Politiker Herbert Reul hält es für klug, dass wir es in der EU, genau wie bei anderen Fragen, "zusammen machen und nicht jeder alleine rumspielt, das macht ja keinen Sinn“. Nur gibt es da ein bekanntes Problem:

"Wenn der Druck nicht zu groß ist, dann bleibt’s einfach so. Es gibt noch ganz viele solcher Sachen, die mangels Druck, mangels Öffentlichkeit einfach in Betrieb bleiben, also nicht geändert werden."
Herbert Reul, CDU-Politiker im Europäischen Parlament