Was macht die Sexualität von Männern aus? Dieser binären Frage geht der Dokumentarfilm "Das starke Geschlecht" nach. Zu sehen sind neun unterschiedliche Männer, die unter anderem über Dominanz und Aggressivität nachdenken, dabei immer wieder mit Unsicherheiten und Sehnsüchten überraschen, weit ab der gängigen Klischees. Eine Stunde Liebe spricht mit dem Regisseur der Doku und fragt das Kino-Publikum, wie dieser intime Einblick hinter Männer-Identitäten ankommt.

"Die Idee zum Film ist schon vor #metoo entstanden. Fast jede Frau aus meinem Bekanntenkreis hat schon mal sexuelle Übergriffe erlebt, da dachte ich: Was sagt das über mich und meine männlichen Freunde aus?"
Jonas Rothlaender, Regisseur des Dokumentarfilms "Das starke Geschlecht"

Der Film wirkt wie eine Black Box zu männlichen Identitäten. Die Kamera ist nacheinander auf das Gesicht von neun Männern fokussiert, sie sitzen vor einer schwarzen Leinwand: Hans, Frederik, Erkan, Oliver, Rick, Lionel, Florian, Ivo und Javid.

Ungewohnte Offenheit

Sie erzählen sehr offen, zum Beispiel wann sie das letzte mal Sex hatten, wie ihre sexuellen Vorlieben aussehen, wie sie ihre Männlichkeit definieren. Außerdem rätseln sich immer wieder über Grauzonen der Sexualität: Wann werden körperliche Grenzen überschritten? Aber es geht nicht nur um vermeintlich typisch männliche Dominanz, sondern auch um sensible Seiten.

"Die meisten Frauen sagen, dass die größte sexuelle Anziehungskraft erst so richtig dann da ist, wenn der Mann ein Arschloch ist. Das fuckt mich ab, persönlich. Mein Grundtypus ist liebevoll."
Erkan, Protagonist aus "Das starke Geschlecht"

Es geht nicht nur um die Gegenüberstellung zwischen Mann und Frau. Zwischentöne werden sichtbar, wenn ein bisexueller Mann von seiner Erfahrung erzählt, in einer Bar von einem Mann bedrängt zu werden. Oder wenn ein schwuler Mann sich über den Alice-Schwarzer-Feminismus der 70er Jahre aufregt, durch den aus seiner Sicht alle Männer per se als aggressiv abgestempelt werden.

In den Dialog gehen

Die Auswahl der Männer sei nicht repräsentativ, unterstreicht der Regisseur. Intime Einblicke geben die Männer, weil sie vorher anonymisierte Texte mit sexuellen Erfahrungen anderer Männer vorlesen und mit Regisseur Jonas Rothlaender besprechen. Diese Reflektion wirkte wie ein Türöffner.

"Ziel des Filmes ist es, einen Dialog zu schaffen, damit sich in Zukunft mehr in Sachen Gleichberechtigung tun kann. Dafür müssen sich auch die Männer über ihre Erfahrungen austauschen.“
Jonas Rothlaender, Regisseur

Darüber hinaus erzählt Cleo im Liebestagebuch, wie sie und ihr Freund Roman sich mit ihrer noch frischen und befristeten Fernbeziehung auseinandersetzen.

Hinweis: Unser Titelbild ist ein Symbolbild und zeigt keinen Ausschnitt aus der Dokumentation.