Kinder und Jugendliche von der christlichen Miliz der Anti-Balaka kämpfen im Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Ihre Brutalität scheint keine Grenzen zu kennen. Sie töten ihre Gegner nicht nur - offenbar essen sie diese auch.

Seit dem Putsch der muslimischen Rebellen vor gut einem Jahr eskaliert in Zentralafrika der Konflikt zwischen der muslimischen und der christlichen Bevölkerung. Das zeigt auch die Entwicklung der christlichen Miliz der Anti-Balaka, die als lokale Bürgerwehr begann, mit der sich Dorfbewohner gegen die pro-muslimischen Séléka-Milizen verteidigen wollten. "Anti-Balaka leitet sich ab von "Anti-balles AK"", erklärt Emotion Namsio, ein Sprecher der Anti-Balaka. Das bedeutet übersetzt "Gegen die Kugeln aus dem Sturmgewehr AK". Mittlerweile sind die Anti-Balaka selbst eine Miliz und führen Krieg gegen den muslimischen Teil der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik.

Extreme Gewaltexzesse

Der Anti-Balaka haben sich Ende 2013 christliche Jugendbanden angeschlossen. Mit Macheten, Messern und Äxten führen sie Krieg gegen die Séléka-Milizen und machen Jagd auf die muslimische Bevölkerung. Und sie kennen keine Gnade: Sie verbrennen ihre Opfer bei lebendigem Leib, hacken Gliedmaßen ab - und offenbar essen sie das Fleisch ihrer Opfer.

"Diese Jugendliche leiden unter extremen Hass."
Pierre Ybor, Psychologe

Doch warum neigen die Kinder und Jugendlichen zu solchen Gewaltexzessen? Viele Ursachen liegen in der zentralafrikanischen Gesellschaft begründet, erklärt der kongolesische Psychologe Pierre Ybor: Fehlendes Selbstwertgefühl, extreme Gewalterlebnisse, mangelnde Bildung und Arbeitslosigkeit führen zu hoher Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen. Pierre Ybor arbeitet seit vielen Jahren mit gewalttätigen Jugendlichen im Kongo.

Für immer gezeichnet

Oft waren die Kinder und Jugendlichen selbst Opfer extremer Gewalt. Wie sie diese traumatischen Erlebnisse überwinden können, bleibt offen. Niemand kümmert sich um sie, es gibt zu wenige Sozialarbeiter oder Psychologen, die sie betreuen könnten.

"Diese Kinder sind traumatisiert, sie brauchen eine Therapie, vielleicht sogar in einer Klinik. Doch wie viele Therapeuten hat dieses Land?“
Pfarrer Etienne Kamagoua aus Sibut

Ob Kannibalismus häufig vorkommt und ob er auch von anderen Parteien im Bürgerkrieg praktiziert wird, ist unklar. Klar ist: Die Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik eskaliert. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay zeigte sich nach einem zweitägigen Besuch des Landes im März erschüttert über die zunehmende Verrohung des Konflikts. Vergewaltigungen, geköpfte Kinder, Folterungen, Verstümmelungen und Fälle von Kannibalismus hielten die Bevölkerung in Angst und Schrecken.