Wenn ein psychisch Erkrankter in Behandlung kommt, ist sein Leidensweg meist schon sehr lang, Erkrankungen wie etwa Depression oder Schizophrenie sind stigmatisiert. Forscher arbeiten an Möglichkeiten, psychische Krankheiten viel früher zu erkennen, um sie besser behandeln, vielleicht sogar ganz vermeiden zu können. Der Weg: Die Psyche sichtbar machen.

Die Aktivitäten des Gehirns lassen sich zum Beispiel per Magnetresonanztomographie in Bilder übersetzen. Die zeigen, welche Areale bei welchen Aktionen wie stark arbeiten - oder wenn es Probleme gibt eben auch nicht. Für spezielle Handlungen lassen sich so typische Muster erkennen. Wenn wir etwa Gesichter entschlüsseln, dann funkt ein bestimmtes Gebiet in unseren Schläfenlappen ganz besonders stark.

Der Sitz der Angst

Auch Empfindungen lassen sich mit solchen bildgebenden Verfahren bestimmten Hirnfunktionen zuordnen. Bei Angst zum Beispiel ist unter anderem ein kleines Gebiet namens Amygdala, auch Mandelkern genannt, aktiv. Forscher arbeiten daran, solche Bilder in Bezug zu setzen mit anderen Faktoren, die psychische Erkrankungen beeinflussen - etwa das soziale Umfeld - um Krankheitsrisiken besser erkennen und kontrollieren zu können. Auch Therapieverfahren werden mithilfe solcher "Seelenbilder" entwickelt.

Der Mannheimer Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg erklärt im Vortrag, wie Bilder der Gehirnaktivitäten hergestellt werden, was daraus abzulesen ist (und was nicht) und wie man diese Ergebnisse für Vorbeugung und Behandlung nutzbar machen kann.

Sein Vortrag war Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung "Herzblut - Geschichte und Zukunft der Medizintechnik", die noch bis zum 7. Juni 2015 am Technoseum, dem Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim stattfindet. Aufgezeichnet wurde der Vortrag am 4. Februar 2015.