Ökotourismus in Kasachstan? Gibt es. Violetta Germann ist derzeit für eine NGO vor Ort  - und erzählt uns von herrlichen Nationalparks und einem strahlenden Testgelände.

Eigentlich studiert Violetta Germann Maschinenbau. Kurz vor Abschluss ihres Studiums hat sie sich aber eine Auszeit genommen - und ist mit einem Stipendium nach Kasachstan gereist. Dort arbeitet sie für eine NGO, die ein "EcoMuseum" betreibt - in der Stadt Karaganda.

Das Museum will vor allem aufklären und sensiblilisieren: Es informiert über Bodenschätze und deren Förderung in Kasachstan - und über die ökologischen Folgen, etwa des Uranabbaus.

Violetta (29) in der kasachischen Hauptstadt Astana.

Die Besucher kommen aus aller Welt, sagt Violetta. Und sie seien teils erstaunlich gut informiert. "Die Touristen sind sehr interessiert daran, wie die Leute hier leben", erzählt Violetta - beispielsweise rund um das ehemalige Atomwaffentestgelände Semipalatinsk, wo es immer noch eine erhöhte Strahlenbelastung gibt.

"Das ehemalige Atomwaffentestgelände ist tatsächlich eins der touristischen Ziele hier."
Violetta Germann, lebt derzeit in Kasachstan

Viele Besucher visieren Semipalatinsk an. Für ein paar Stunden könne man sich dort aufhalten, sagt Violetta, länger sei das wegen der Belastung nicht empfehlenswert.

Doch Kasachstan hat natürlich mehr zu bieten als sowjetische Altlasten: Vor allem im Süden und Osten des Landes gibt es sehenswerte Nationalparks - den Scharyn-Nationalpark etwa mit dem gleichnamigen Canyon. Weite Teile Kasachstans bestehen außerdem aus Steppe, Wüste und Halbwüste.

Homestays und schlafen in der Jurte

Gerade die Nationalparks bieten sich an für Wanderungen oder Fahrrad-Touren, sagt Violetta. Teils könne man bei Einheimischen oder in Jurten übernachten.

​"Die Kasachen sind supergut drauf. Ich wurde hier sehr kameradschaftlich empfangen."
Violetta Germann, lebt derzeit in Kasachstan
Violetta Germann
© Violetta Germann
Violetta mit ihrer Familie in Tadschikistan.

Für Violetta ist der Aufenthalt in Kasachstan eine bereichernde Auszeit:  "Ich sehe dieses Stipendium als Geschenk an: Ich kann drei Monate lang in eine ganz andere Realität eintauchen." Aber es ist auch eine Reise in ihre Vergangenheit. Denn Violetta wurde in Tadschikistan geboren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland emigriert.

2500 Kilometer bis Tadschikistan

Mit dem Zug und mit Bussen ist Violetta von Kasachstan über Kirgistan nach Tadschikistan gefahren, um ihre Geburtsstadt Duschanbe zu besuchen: "Ich wollte ein Gefühl kriegen für die Landschaften und die Menschen - und für die Entfernungen, die ich eigentlich zurücklege", sagt sie. Auch ihre Eltern sind so zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder in ihre alte Heimat gereist.

Sitz im Freien mit Speisen und Getränken.
© Violetta Germann
Gastfreundschaft: Klassischer Taptschan im Garten, mit aufgetischten Speisen.

Ihre Reise hat Violetta dazu animiert, ihre Russisch-Kenntnisse wieder aufzufrischen. Denn sie hat schnell gemerkt: Die Sprache öffnet ihr Türen. "Mit Englisch kommt man hier tatsächlich bis heute nicht so weit."

Besonders imponiert hat ihr die Gastfreundlichkeit der Kasachen, die sie mehrmals spontan und herzlich aufgenommen haben. Und besonders gefallen hat ihr die alte Hauptstadt Almaty - eine herrlich lebendige, moderne Stadt mit Metro, Rent-a-Bike System und atemberaubendem Bergpanorama.