Manche Tabakunternehmen haben geheime Absprachen mit Einzelhändlern getroffen. Ihr Ziel: Sicherstellen, dass ihre Produkte bestmöglich promotet werden. Eine Studie zeigt: Im Austausch bekommen die Einzelhändler Geld und Geschenke.

Eine Packung Zigaretten ist im Supermarktregal auf Augenhöhe platziert. Das könnte Zufall sein. In einigen Fällen sind die Tabakprodukte aber sehr bewusst prominent ausgestellt, damit Kund*innen sie deutlich sehen und kaufen – der Anreiz hinter der Verkaufsstrategie kommt von den Tabakunternehmen selbst.

Damit ihre Produkte gut gekauft werden, treffen sie mit Einzelhändlern geheime Absprachen und geben ihnen im Gegenzug Geldprämien, Gutscheine, Veranstaltungstickets, Luxusreisen oder andere Geschenke. Oft sind diese Absprachen zwischen den Tabakunternehmen und den Einzelhändlern auch vertraglich festgehalten.

Geheime Deals weltweit

Forschende der University of North Carolina aus dem Bereich der Gesundheitsforschung haben das in einer Studie nachgewiesen.

Für ihre Überprüfung haben sie Hunderte Studien weltweit zu dem Thema gescannt, die zwischen 1991 und 2020 veröffentlicht wurden. Bei 27 Studien aus Ländern wie den USA, Kanada, Australien, dem Vereinigten Königreich, Südkorea, Indonesien und auch Neuseeland haben sie brauchbare Informationen zu den Absprachen gefunden.

Denn: Oft sind solche Absprachen geheim und daher öffentlich nicht einsehbar. Das ist bei den 27 untersuchten Studien anders.

Tabakprodukte gekonnt in Szene gesetzt

In den Verträgen verpflichten sich die Einzelhändler laut den Studienautor*innen wohl zu den vier Ps: Platzierung, Promotion, Preis und Produkt. Das sei eine gängige Strategie im Marketing.

Neben einer Platzierung auf Augenhöhe geht es zum Beispiel darum, die Produkte möglichst günstig anzubieten, um Tabak-Steuern auszugleichen.

Bei manchen der Absprachen hätte sich der Handel auch dazu verpflichtet, den Unternehmen bestimmte Mengen abzunehmen und diese zu verkaufen. Wodurch die Einzelhändler unter Druck stehen könnten, die Tabakprodukte möglichst erfolgreich zu vermarkten.

In anderen Fällen besuchten Vertreter*innen der Unternehmen die Einzelhändler, um sicherzustellen, dass ihre Produkte vor Ort entsprechend beworben würden. Oft passierte das unangemeldet, oder die Vertreter*innen gaben sich zuerst als reguläre Käufer*innen aus.

Unter dem Radar der öffentlichen Behörden

Laut den Studienautor*innen ließ sich etwa die Hälfte der untersuchten Händler auf solche Absprachen und Verträge mit der Tabakindustrie ein. Häufig widersetzten sie sich damit der Gesundheitspolitik des jeweiligen Landes.

Allerdings wurde ungefähr die Hälfte der 27 Studien vor 2010 veröffentlicht. Es ist also möglich, dass sich die Situation mittlerweile verändert hat zum Beispiel auch durch Gesetze, die gegen solche Absprachen vorgehen.