Die kleine Zigarettenkippe, die so nebenbei weggeschnippt wird, ist ein großes Problem für die Umwelt. Vielen ist das aber nicht bewusst. Lösungsansätze müssen her – am besten ohne erhobenen Zeigefinger.

In Deutschland werden pro Jahr 74,5 Milliarden Zigaretten geraucht. Pro Tag fallen deshalb 204 Millionen Zigarettenstummel an, von denen der Großteil nicht im Müll, sondern in der Umwelt landet. Überall, wo man hin sehe, seien Zigarettenstummel, sagt Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe.

"In Berlin Mitte beispielsweise kann man gar keinen Schritt machen, ohne dass man nicht über diese Zigarettenstummel darüber laufen muss."
Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe

Die Zigarettenstummel sind in vielerlei Hinsicht problematisch. Ein Beispiel: der Filter. Er besteht zum einen aus Kunststoff und zum anderen sammeln sich dort viele Giftstoffe, etwa Arsen, Blei oder Chrom. Hinzu kommen noch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die krebserregend sind. Denn klar: Im Filter bleibt alles hängen, was nicht in die Lunge soll. Wenn diese Stummel dann aber auf der Straße oder im Gras liegen, dann werden die Giftstoffe mit dem nächsten Regen ausgewaschen – und landen in der Umwelt. Lösungsansätze müssen also her.

Höhere Strafen und Pfandsysteme

Die Deutsche Umwelthilfe fordert beispielsweise ein bundesweites Rauchverbot auf Spielplätzen. Denn allein in Berlin klingeln jedes Jahr die Telefone des Giftnotrufs Hunderte Male, weil sich kleine Kinder Zigarettenkippen in den Mund gesteckt haben. Der Verband fordert außerdem mindestens 200 Euro Strafe für diejenigen, die beim Zigarettenwegschnippen erwischt werden. Das tue weh und man merke es sich für das nächste Mal, sagt Thomas Fischer.

"Wenn man erwischt wird und wenn man das mal bezahlen musste, dann überlegt man sich das sicherlich zweimal, ob man das noch mal tut."
Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe

Eine andere Idee ist beispielsweise, ein Pfandsystem für Zigaretten und ihre Verpackungen einzuführen. Etwa vier Euro pro Packung. Die Packungen und die Kippen sollen bei den Verkaufsstellen zurückgegeben werden können und die Kippen sollen anschließend recycelt werden. Dazu läuft gerade eine Petition auf change.org.

Abstimmen per Kippe

Und dann gibt es noch die sogenannten Ballot Bins. Das sind extra Müllbehälter für Zigarettenkippen und sie sind versehen mit einem netten Gag. Mit dem Wegwerfen der Kippe kann man nämlich abstimmen: Bayern München oder Borussia Dortmund? Pizza oder Nudeln? Ronaldo oder Messi?

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Ballot Bins gibt es mittlerweile in einigen Ländern und auch bei uns in Deutschland in den meisten Großstädten wie Berlin, München, Hamburg oder Stuttgart. Dass sie etwas bringen, zeigt eine Auswertung aus Großbritannien. Im Umkreis der Ballot Bins konnte die Umweltbelastung um 46 Prozent gesenkt werden.

Lustig auf ein ernstes Thema aufmerksam machen

Auch Susan Rößner, Mitglied des Arbeitskreises Müll in Konstanz, möchte Ballot Bins für ihre Stadt, denn auch dort sind Zigarettenstummel ein großes Problem. Beim jährlichen Rhine-Clean-up sammelt Susann zusammen mit bis zu 150 Freiwilligen Müll auf. Allein ein 80-Liter-Müllsack ist am Ende voll mit Zigarettenstummeln. Wenn man bedenke, wie klein die Stummel sind, sei das eine ganz schöne Menge, sagt sie.

Die Chancen für Ballot Bins stehen gut. Vor Kurzem hat die Stadt Konstanz Mittel locker gemacht, damit der Arbeitskreis Müll die Wahlurnen aufstellen kann. Susan Rößner ist es wichtig, dass man den Raucherinnen und Rauchern nicht mit erhobenem Zeigefinger entgegenkomme, sondern freundlich und lustig auf ein wichtiges Thema aufmerksam mache.

"Es geht uns darum, einfach darauf hinzuweisen. Und vielleicht die Leute eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern nett und freundlich und ein bisschen lustig auf das Thema aufmerksam zu machen."
Susan Rößner, Mitglied des Arbeitskreises Müll in Konstanz

Vielen sei die Problematik einfach nicht bewusst und sie würden die Zigarettenkippen nicht mit böser Absicht wegwerfen, davon ist Susan nach vielen netten Begegnungen mit Raucherinnen und Rauchern überzeugt. Es brauche eben nur noch diesen letzten Anreiz und den könnten die Ballot Bins perfekt geben.