Zimmerpflanzen gehören in jedes perfekt gestylte Instagram-Zimmer. Aber nur weil wir uns die Natur in die eigenen vier Wände holen, heißt das nicht, dass wir der Natur damit etwas Gutes tun. Und das hat nicht nur mit dem Verpackungsmüll zu tun.

Der Laden "Blumen Goldbeck" in Berlin-Wedding hat im Winter nur wenige Zimmerpflanzen im Angebot. In den Regalen stehen stattdessen Schnittblumen, Rosen, Tulpen oder Efeu und Erbsenpflanzen. Das hat einen Grund: "Zimmerpflanzen haben eine Ruhephase, die im Winter ist", erklärt die Blumenverkäuferin Lilli Erasin. "Da stehen sie am liebsten ein bisschen kühler, wollen auch weniger gegossen werden und wollen auf gar keinen Fall gestört werden."

Winter ist schlechteste Jahreszeit für neue Zimmerpflanzen

"Ich kann super gut nachvollziehen, dass man jetzt im Winter viel mehr zu Hause ist und sich denkt, das geht so nicht und dann losstiefelt. Aber der Winter ist wirklich die schlechteste Jahreszeit, sich Zimmerpflanzen zu kaufen."
Lilli Erasin, Blumenverkäuferin bei Blumen Goldbeck in Berlin Wedding

Obwohl Pflanzen an sich nachhaltig wirken, heißt das nicht, dass die Produktion immer fair abläuft. Das liegt unter anderem daran, dass viele Zimmerpflanzen nicht komplett in Deutschland oder Europa gezüchtet werden, sondern Jungpflanzen häufig aus Übersee kommen, wo klimatisch bessere Bedingungen für die oft exotischen Pflanzen herrschen.

Über andere europäische Länder wie Spanien oder die Niederlande erreichen sie dann den deutschen Markt, erzählt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Bei der Jungpflanzenproduktion, zum Beispiel in afrikanischen Ländern, herrschen dort teilweise sehr schlechte Arbeitsbedingungen. Außerdem werden Pestizide eingesetzt, die in Europa verboten sind, sagt Corinna Hölzel.

"Es werden tatsächlich auch Pestizide eingesetzt, die in Europa verboten sind, weil sie besonders giftig sind, und für die Arbeiterinnen auch eine besondere Gefahr darstellen."

Hinzu kommen die Umweltschäden vor Ort, wenn Pestizide und Dünger aus den Gewächshäusern in die Luft oder ins Abwasser gelangen. Für Zierpflanzen gibt es zwar Bestimmungen für den Einsatz von Pestiziden bei der Produktion. Aber es gibt keine Grenzwerte für die Pestizidrückstände auf der Pflanze, wenn sie verkauft wird.

Kein Grenzwert für Pestizidrückstände auf Pflanze

Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 hat einen ersten freiwilligen Grenzwerte-Katalog erarbeitet. In Deutschland zeigen schon ein paar Unternehmen daran Interesse. Ein weiteres Problem ist der Torf. Standardmäßig werden die Pflanzen in torfhaltiger Erde verkauft, der Torf wird aus Mooren gewonnen.

"Torfgebiete sind sehr wertvolle Öko-Systeme, sie speichern sehr viel Kohlenstoff. Wenn Torf abgebaut wird, dann geht sehr viel CO2 in die Atmosphäre und außerdem wird wertvoller Lebensraum zerstört."

Lillie Erasin verkauft deshalb torffreie Erde und arbeitet mit Bio-Gärtnereien zusammen. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, umweltfreundliche Pflanzen anzubieten: "Wir kaufen auf dem Großmarkt ein, da gibt es 0,0001 Prozent biologische Zimmerpflanze."

"Es gibt manchmal eine Bio-Aloe Vera, die sich als Zimmerpflanze eignet. Aber mehr habe ich da noch nie gesehen. Weil, glaube ich, einfach keiner danach fragt."
Lilli Erasin, Blumenverkäuferin bei Blumen Goldbeck in Berlin Wedding

Wenn wir Blumen kaufen, können wir auf das Fairtrade-Siegel achten, das besagt, dass die Arbeitenden fair bezahlt und über Risiken informiert werden, Schutzkleidung tragen und sich gewerkschaftlich engagieren können.

Außerdem gibt es noch die bekannten Öko-Labels, das EU-Bio-Siegel sowie Demeter, Naturland und Bioland. Etwa 200 Bio-Gärtnereien produzieren in Deutschland ebenfalls ohne chemisch-synthetische Mittel – da sind dann aber nicht unbedingt die Instagram-Star-Pflanzen wie die Monstera oder Calathea dabei.

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Wenn es nachhaltig sein soll, müssen wir unsere Ansprüche ändern, findet Lili Erasin. Dann müssen wir weg von der makellosen, dicht gewachsenen Design-Pflanze. "Wenn nichts an deiner Pflanze knabbert, dann bist du kein Bestandteil dieses Öko-Systems."

"Eine gesunde, wertvolle Pflanze, die Bestandteil dieses Öko-Systems ist, hat unten drei gelbe Blätter, dann hat noch eine Raupe ein bisschen dran rumgeknabbert und oben sitzt eine Biene drauf und labt sich an Pollen."
Lilli Erasin, Blumenverkäuferin bei Blumen Goldbeck in Berlin Wedding

Und schließlich beeinflusst die Nachfrage das Angebot: Wir sollten weniger jede Trendpflanze kaufen und im Gartencenter nachhaken, wo und wie die Pflanzen gezüchtet werden und was in der Erde ist, und können so vielleicht zu einem Umdenken beitragen.