Wer sich selbst zitiert, der kann damit noch lange keine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Heutzutage nicht. In der Antike freilich war das alles einmal ganz anders. Und auch über das Mittelalter hinaus bis in die Neuzeit hinein musste sich die rechte und richtige Kunst des Zitierens erst noch entwickeln. Der Hörsaal. Jeden Samstag und Sonntag ab 18 Uhr.

Die akademische Wissensaneignung hat sich also gewandelt im Lauf der Jahrhunderte. Alle Studierenden und Wissenschaftler wissen heute, worauf genau zu achten ist, will man beispielsweise seine Doktorarbeit am Ende auch anerkannt bekommen. Dafür gibt es allgemein gesetzte Standards, die an den Hochschulen dieser Welt online oder in Heftform zu erwerben und eben genauestens zu studieren sind.

"Zitat und Paraphrase - Akademische Wissensaneignung im Wandel“ hieß denn auch eine Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der Zeit zwischen dem 30. April und 2. Juli 2015. An der Akademie existiert sogar eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die Veränderungen beim Zitieren untersucht.

Wem gehört Wissen?

Eine ganze Reihe von Fragen taucht dabei auf: Wann gehört wem welches Wissen? Wie und warum hat sich der Umgang mit Quellen verändert? Wer oder was leidet, wenn fremdes Wissen als eigenes ausgegeben wird, man sich also sozusagen selber zitiert.

"Es gab in der Antike durchaus Zitate als Textübernahme. Aber solche Zitate waren für den normal Gebildeten oft nicht als Zitate zu realisieren. Man verschlüsselte das Zitat gleichsam für den impliziten Diskurs der Gebildeten."
Christoph Markschies, Theologe und Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie

Christoph Markschies, Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie und Theologe an der Berliner Humboldt-Universität, hebt in seinem Vortrag auf die Bibel ab. In der Antike, das lässt sich leicht nachvollziehen, wurden Bibelstellen noch recht grob wiedergegeben und wiedererzählt. Erst Jahrhunderte später kamen Kapiteleinteilungen und die Verszählung dazu.