Emmanuel Macron ist angetreten, Frankreich umzukrempeln. Seine Bewegung La République en Marche (LREM) ist mit satter Mehrheit in die Nationalversammlung eingezogen. Aber pünktlich zum ersten Parteitag am Wochenende gibt es intern mächtig Zoff. 

"Es gibt Abgeordnete der LREM, die haben Betten in ihren Büros stehen, weil die so viel schuften, dass sie es zwischendurch nicht ins Hotel schaffen zum Schlafen."

Der Präsident gibt mit seinen vielen Reformen und Gesetzesvorlagen ein enormes Tempo vor. Allein in den ersten sieben Wochen hat er sechs neue Gesetze durchgedrückt, unter anderem das Gesetz zur Moralisierung des politischen Lebens und Anti-Terror-Gesetze.

Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris, hat zwei Abgeordnete aus Macrons Bewegung La République en Marche (LREM) einige Monate begleitet. Marcheuses werden sie in Frankreich genannt, zu deutsch Marschiererinnen. 

Neuling und alter Hase gemeinsam auf Mission

Die eine Abgeordnete war bei ihrem Einstieg bei LREM völliger Politik-Neuling. Sie sei von der Arbeit in der Nationalversammlung immer noch begeistert, berichtet Barbara Kostolnik. Die andere Marcheuse war vorher 20 Jahre bei den Sozialisten. Sie kritisiert, dass das Team von LREM noch nicht wirklich eingespielt sei. Von ihrem Ziel seien aber beide Marschiererinnen völlig durchdrungen.

"Die Männer und Frauen der LREM sind fast schon getrieben von ihrer Mission: Sie wollen den Franzosen Selbstbewusstsein einflößen, damit die aufhören von der Krise zu lamentieren."

Kritik am Sonnenkönig Macron

Emmanuel Macron hat die Bewegung gegründet, zuerst hieß sie En Marche genau wie seine Initialen. Jetzt heißt sie zwar La République en Marche, aber es dreht sich trotzdem alles um ihn, den Staatspräsidenten.

"Macron ist ein Kontrollfreak. Und obwohl die LREM basisdemokratisch angelegt ist, sind alle Mitglieder auf ihn fixiert."

Macrons Marcheurs wehren sich immer noch vehement dagegen, die LREM eine Partei zu nennen. Am Wochenende wählt die LREM also keinen Parteivorstand, sondern eine Art Politbüro. 

Um die Wahl des Geschäftsführers gibt es Zoff, weil der mehr oder weniger von Macron bestimmt wurde. Die anderen wollen mitreden. Aber Macron hält an seiner Entscheidung für Christophe Castaner fest, weil er ihn für den besten Mann hält.

"Es wird knirschen beim Parteitag. Aber die LREM hat die Öffentlichkeit von der Wahl des Vorsitzenden ausgeschlossen. Wir werden also erst hinterher erfahren, wie laut!"

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