Schnell den Schokoriegel essen, wenn es mal nicht so gut läuft, oder die Limonade trinken, wenn wir müde sind. Hilft das wirklich? Kann sein, aber allein am Zucker liegt es wahrscheinlich nicht. Anne Tepper aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion über neue Forschungsergebnisse zum Thema Zuckerhoch.

Das Zuckerhoch ist ein Mythos, sagen Forscherinnen und Forscher der Humboldt Universität in Berlin. Sie haben sich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien in einer Meta-Analyse sämtliche Studien vorgenommen, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und der eigenen Stimmung beschäftigen, und 31 davon, die sie als brauchbar einstuften, miteinander verglichen.

Müder nach Zuckerkonsum

In diesen 31 Studien mit insgesamt 1259 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren jeweils ähnliche Experimente durchgeführt worden: Die Probanden bekamen Zucker und mussten danach einschätzen, wie sie sich fühlen – zum Beispiel: aufmerksam, wach oder eher depressiv, ärgerlich oder müde.

"Der einzige größere Unterschied lag darin, dass sich die Teilnehmer mit Zucker nach einer gewissen Zeit müder gefühlt haben als die Placebo-Gruppe."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Das Ergebnis: Es gab kaum wesentliche Unterschiede zwischen den Menschen, die Zucker zu sich genommen hatten, und denen in der Placebo-Gruppe, die keinen bekommen hatten. Der größte Unterschied bestand darin, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer irgendwann müder fühlten, wenn sie Zuckerhaltiges gegessen oder getrunken hatten.

Manche Studien haben mehr Einfluss als andere

Aber warum glauben viele Menschen, dass Zucker ihnen hilft, wacher und glücklicher zu werden? Tatsächlich legen manche Studien nahe, dass mehr Serotonin ausgeschüttet wird, wenn wir Zucker zu uns genommen haben. Serotonin ist ein Botenstoff, der positiv auf unsere Stimmung wirkt und uns zufriedener und gelassener macht.

"Manchmal passiert es ja auch, dass einzelne Studien großen Einfluss gewinnen – warum auch immer – auch wenn es Studien gibt, die gegen das Ergebnis sprechen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

In den vergangenen Jahren gab es aber auch Studien, die das Gegenteil behaupteten, also dass Zucker sich negativ auf die Stimmung auswirke, sagt Anne. Das ist auch der Grund, warum die Forscherinnen und Forscher aus Berlin und Großbritannien nun Studien miteinander verglichen haben. So konnten sie erkennen, welche Ergebnisse übereinstimmten, ohne zu beachten, wie bekannt und einflussreich welche Studie ist.

Die Meta-Analyse untersucht nur Zucker

Eine Schwäche der Studie ist, so Anne, dass die Forscherinnen und Forscher sich einzig auf den Zuckerkonsum konzentriert. Bei manchen zuckerhaltigen Lebensmitteln könnten aber auch andere Zutaten die Wirkung ausmachen: Cola enthält zum Beispiel auch Koffein, Schokoriegel etwa bestehen auch aus Schokolade, Nüssen und Fett.

"Die Forschenden sind sich sicher, dass es diesen extremen Zuckerschub, von dem wir so landläufig ausgehen, nicht gibt."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Ein weiterer Schwachpunkt der Studie ist, dass viele verschiedene Studien miteinander verglichen werden. Es ist schwer, alle auf einen Nenner zu bringen. Trotzdem sind sich die Forschenden sicher, dass es den berühmten Zuckerschub so nicht gibt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Forscherinnen und Forscher glauben, dass Zucker eher negative Auswirkungen auf Laune und Gesundheit hat.