Ohne Wasser kein Leben. Das gilt eigentlich überall auf der Erde. Die Larve einer Zuckmückenart in Nigeria ist da eine Ausnahme. Sie kann so weit austrocknen, dass nur noch drei Prozent des Wassers in ihr übrig bleiben, und trotzt in diesem Stadium den härtesten Bedingungen. Selbst einen Flug ins All würde sie unbeschadet überstehen.

Polypedilum vanderplanki ist der wissenschaftliche Name einer Zuckermückenart, die vor allem in Nigeria vorkommt und die im Larven-Stadium Unglaubliches aushält: Sie übersteht Temperaturen von minus 270 bis plus 100 Grad Celsius, sie überlebt ein Vakuum genauso wie extrem hohen Druck und auch Strahlung kann ihr nicht viel anhaben. Selbst im flüssigen Helium oder im All würde es die Larve eine Weile aushalten.

"Im ausgetrockneten Stadium gibt es in den Larven praktisch keinen Stoffwechsel. Die macht also praktisch nix mehr“
Michael Böddeker, DRadio-Wissen-Nachrichten

Diese außergewöhnliche Eigenschaft hilft der Larve, die bis zu acht Monate andauernde Trockenzeit in Nigeria unbeschadet zu überstehen. Sobald es aber zu regnen beginnt, wird die Larve aufgeweckt. Wasser strömt in ihren Körper und bereits nach einer Stunde setzten die Stoffwechselaktivitäten wieder ein. Nach drei bis vier Tagen funktioniert dann auch die DNA der Mücke wieder, die sich zuvor in einem geschützten Dauerzustand befindet. Eine Eigenschaft, die man sonst nur von Einzellern, Bakterien oder Pilzen kennt.

Außergewöhnlicher Schutz dank spezieller Proteine

Forscher haben sich jetzt die DNA der Mücke genauer angeschaut und Gene für bestimmte Proteine festgestellt, denen die Mückenlarven ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten verdanken. Darüber hinaus bilden die Mückenlarven auch Proteine, die kaputte Proteine reparieren. Forscher vermuten außerdem, dass die Mückenlarven Bakterien fressen und im Laufe der Evolution brauchbare Fremd-Gene übernommen und in ihr eigenes Erbgut eingefügt haben. Horizontaler Gentransfer, so nennen Forscher den Vorgang, der bisher aber nicht bestätigt werden konnte.