In den letzten drei Jahrzehnten waren die Deutschen im Schnitt relativ zufrieden. Das zeigen Daten aus einer Langzeitstudie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Auffällig hierbei ist, dass besonders konservative Rollenverteilungen zur Zufriedenheit der Menschen beitragen.

Ausreichend Schlaf, soziale Kontakte und ein gewisses Maß an Wohlstand können zur Zufriedenheit der Menschen beitragen. Das ist schon lange bekannt. Wie zufrieden aber sind die Menschen in Deutschland? Dieser Frage widmet sich die Langzeitstudie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Daten aus über 30 Jahren

Seit 1984 befragen die Forschenden immer wieder generationsübergreifend Menschen in Deutschland, wie es um ihre Zufriedenheit steht. Der Soziologe Martin Schröder von der Philipps-Universität Marburg hat die genauen Details von 84.954 befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewertet und seine Ergebnisse in dem Buch "Wann sind wir wirklich zufrieden?" zusammengefasst.

Im Durchschnitt recht zufrieden

Dabei zeigt sich: In Deutschland sind die meisten Menschen zufrieden mit ihrem Leben, sagt Martin Schröder. Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkte würden sie ihre Zufriedenheit durchschnittlich mit 74 Punkten bewerten. Während die Hälfte von ihnen sogar 80 Punkte angibt, liegt der Zufriedenheitswert von 15 Prozent der Befragten im unteren Teil der Skala, ergänzt er.

Zufriedenheit als Motivation fürs Leben

Die Daten der Langzeitstudie würden darauf hinweisen, dass Zufriedenheit eine entscheidende Motivation im Leben der Menschen sei. "Am Ende zählt nichts anderes außer Zufriedenheit", fasst der Soziologe zusammen. So könne eine radikale Schlussfolgerung der Studiendaten lauten.

"Sehr oft scheinen Menschen in relativ konservativen Männer-Frauen-Haushaltsarrangements erstaunlich zufrieden zu sein."
Martin Schröder, Soziologe

Mit Blick auf die einzelnen Lebensbereiche ist dem Soziologen unter anderem besonders das Verhältnis von konservativ geprägten Rollenbildern und dem Zufriedenheitswert aufgefallen. Zum Beispiel geben die Mütter und Väter unter den Befragten an, umso zufriedener zu sein, wenn ihre Lebenspartner länger arbeiten, berichtet Martin Schröder.

Bei Müttern gebe es diesen Effekt allerdings nicht. Eine längere Arbeitszeit mache sie nicht unbedingt zufriedener. Ähnlich sehe es beim Thema Einkommen aus. Verdienen Frauen mehr als ihre Lebenspartner, sind sie tendenziell unzufriedener, sagt Martin Schröder.

Daten zeigen Was-Istzustand

Gleichzeitig weist der Soziologe darauf hin, dass es sich hierbei um die reine Auswertung von Daten handle. Diese könnten Zusammenhänge verdeutlichen, sollten aber nicht als Lösungswege interpretiert werden. Denn: Die Studie hat in den über dreißig Jahren den Zufriedenheitswert der Befragten gemessen, nicht aber nach den Gründen dafür gefragt.