Zehn Tage wird die Crew der Artemis-II-Mission im All verbringen. Sie wird den Mond umrunden. Bis Menschen mal dort bleiben können, wird es noch dauern: Um eine dauerhafte Mondbasis betreiben zu können, sind noch viele Herausforderungen zu meistern.
Es war ein historischer Moment: Der Start der Artemis-II-Rakete am 2. April 2026. Erstmals seit 50 Jahren ist nun wieder eine Crew zum Mond unterwegs. Sie wird ihn umkreisen. Zehn Tage soll diese Mission dauern.
Die NASA hat aber noch viel mehr vor: In Zukunft soll es auf dem Mond auch mal eine Basisstation geben. Astronaut*innen sollten dort dauerhaft leben und arbeiten können. Planung und technische Entwicklung sind allerdings noch lange nicht so weit, sagt Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Michael Büker.
Eine erste Mondstation dürfte ein Provisorium sein
Es wird noch einige Jahre dauern, bis es überhaupt eine Art von Mondstation geben könnte, schätzt er. Und wenn es so weit ist, dann dürfte so eine Basis zunächst wohl aus ein bis zwei gelandeten Raumschiffen bestehen und nicht wie auf manchen fiktiven Illustrationen (so wie oben auf unserem Bild) aus kompletten Gebäudekomplexen mit Tunneln und Raumfahrtbahnhof.
"Mit so einer Art von Mondbasis würde ich allerfrühestens Ende der 2030er-Jahre rechnen, wenn überhaupt."
Wie so eine richtige Basis mal aussehen würde, kann auch noch niemand genau sagen. Was aber klar ist: Sie muss dann einige wichtige Anforderungen erfüllen, damit sich überhaupt Menschen dort aufhalten können. So müsste eine Basis auf dem Mond etwa einen geschützten Raum gegen das Vakuum und die extremen Temperatursprünge auf der Mondoberfläche bieten.
Auch ausreichend Strahlenschutz wäre eine Herausforderung: Auf dem Mond befindet man sich nicht nur außerhalb der Erdatmosphäre, sondern auch außerhalb des Erdmagnetfelds, erklärt Michael, und ist dadurch ziemlich schutzlos einer recht starken kosmischen Strahlung ausgesetzt.
Herausforderungen beim Bau einer Mondstation
Ein weiteres zu lösendes Problem: eine stabile Stromversorgung. Solarenergie könnte nämlich nicht den kompletten Energiebedarf decken. Denn: An fast allen Orten auf dem Mond scheint die Woche zwei Wochen lang - und ist dann aber ebenfalls zwei Wochen gar nicht zu sehen.
Michael Büker nennt noch viele weitere Herausforderungen: stabile Kommunikation zur Erde, die Rückreise in Notfällen, Wasserrecycling, Nachschubversorgung und Abfallentsorgung etwa. Und eine besondere Gefahr für die Technik: Mondstaub. Der ist nämlich sehr feinkörnig, scharfkantig und aggressiv, so dass er in Ausrüstung eindringen und sie zerstören kann.
"Ein Fernziel wäre aber sicherlich, dass so eine Basis ständig von wechselnden Besatzungen besetzt ist und niemals komplett verlassen wäre."
Bis auf Weiteres ist also noch ausgeschlossen, dass jemand dauerhaft auf einer Mondstation leben könnte.
Für wahrscheinlicher hält Michael Büker, dass es zunächst einzelne Expeditionen geben würde, in denen verschiedenen Crews sich dann jeweils nach einigen Monaten abwechseln würden, so wie auf Raumstationen in der Erdumlaufbahn oder auch in der Antarktis. Wie im ewigen Eis oder auf der Internationalen Raumstation ISS könnten dort wissenschaftliche Fragen geklärt und Experimente durchgeführt werden – etwa in den Bereichen Medizin, Materialforschung oder Astronomie.
"In der geringen Schwerkraft und dem Vakuum an der Oberfläche könnte man einige Experimente durchführen, die auf der Erde so nicht möglich sind."
Jenseits der Wissenschaft sind aber auch die Symbolik und der politische Wert einer Raumstation auf dem Mond nicht zu unterschätzen. "Deshalb gibt es bei den kommenden Flügen zum Mond auch einen politischen Wettlauf zwischen den USA und China", so der Astrophysiker. Die Konkurrenz der wetteifernden Nationen dürfte den Bau einer ersten Mondstation also beschleunigen.
