Insekten und andere Wildtiere sind wichtig für den Erhalt des Ökosystems – und damit für das Überleben des Menschen. Um Tiere vor Trockenheit und Nahrungsmangel zu schützen, entstehen in Großbritannien sogenannte B-Lines. Ein großer Erfolg, auch, weil sich Bäuerinnen und Bauern engagieren.

Insekten haben es in unserer Welt schwer: Von Wildblumen, die sie brauchen, ist nur noch wenig übrig. Immer mehr Flächen werden für Wohn- und Arbeitssiedlungen zubetoniert. Das Ackerland besteht häufig aus Monokulturen und ist voll mit Pestiziden.

Und das hat Folgen: Laut der im Oktober 2017 veröffentlichten Krefelder Studie gab es zwischen 1989 und 2016 in 63 deutschen Schutzgebieten einen Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse.

Jamie Robins, Sandra Pfister, Tony Cook, Andrew Wiley (von links nach rechts)
© Jamie Robins | Buglife.org
Jamie Robins, Sandra Pfister, Tony Cook, Andrew Wiley (von links nach rechts)

Wie es Bienen und anderen Insekten – und damit auch uns – besser geht, machen die Briten vor. Dass es sich dabei keineswegs ausschließlich um Hilfe für Insekten handelt, ergibt sich schon aus dem Namen. Denn "B-Line" steht für Biodiversity.

"B-Line klingt zwar nach Bee – also Bienen. Aber es steht für Biodiversity. Das bedeutet, dass ganz viele Tierarten davon profitieren sollen."
Sandra Pfister, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zum Beispiel gehören auch Frösche, Libellen, Käfer – vor allem Insekten – dazu. Lines steht für die Routen, auf denen sich solche bedrohten Tiere von einem Ort zum anderen bewegen können. Zum Beispiel, wenn sie keine Nahrung mehr finden oder es ihnen zu warm oder zu trocken ist. Das war im Sommer häufig der Fall.

Weil die üblichen Fluchtwege der Tiere durch uns zugebaut wurden, sagte die Umweltorganisation Buglife, dass wieder ein Netz an Insektenstraßen aufgebaut werden muss.

"Die B-Lines sind wie eine Landkarte für Bestäuber, mit deren Hilfe sie sich bewegen können. Drei Kilometer lange Korridore, die noch bestehende Wildblumen-Habitate verbinden."
Jamie Robins, Buglife

In der ostenglischen Stadt Peterborough gibt es bereits so eine B-Line. Dort lebt bereits seit 17 Jahren Andrew Wiley. Das Gras in dem dortigen Park ist natürlich superordentlich getrimmt – wie sich das für einen englischen Park gehört. Die Stadt hat den Bürger*innen ein paar Flächen im Park überlassen, die sie dann selbst bewirtschaften. In Peterborough sind es fast dreißig Flächen und Andrew Wiley ist einer von denen, die sich darum kümmern.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sandra Pfister und Jamie Robins von Buglife.org stehen vor einer Wildblumenwiese in Peterborough, England
© Jamie Robins | Buglife.org
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sandra Pfister und Jamie Robins von Buglife.org stehen vor einer Wildblumenwiese in Peterborough, England
"Das Gras in dem Park ist natürlich superordentlich getrimmt – wie sich das für einen englischen Park gehört."
Sandra Pfister, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Netz der Blühstreifen wird dichter

Mitten in der Pandemie trommelte Andrew ein paar Leute zusammen, die dann vom lokalen Umwelt-Trust – einer Art Stiftung – Wildblumensamen bekamen. Die beteiligten Leute verwandelten so 150 Quadratmeter Zierrasen in 150 Quadratmeter Wildblumenwiese.

Sandra erklärt, dass die Aktion den Tieren nicht nur durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt. Auch einige Bauern und Bäuerinnen machen mit. Sie legen Blühstreifen an Ackerrändern an und auch in der Nähe von Bahngleisen. So wird dieses Netz an Blühstreifen und wilden Flächen immer enger. Buglife stellt die Ergebnisse der Aktion online auf einer Karte aus. 2.500 Punkte von lokalen Initiativen sind da zu sehen, die Flächen so bepflanzt haben, wie Insekten es brauchen.

Zum anderen lassen sich auch schon Veränderungen bei den Insekten in Peterborough sehen, meint Jamie Robins von Buglife. So sind in ein paar Blüten und Grasbüschel zu sehen. Darin bauen Hummeln gerne ihre Nester. Aber auch andere Arten profitieren davon, zum Beispiel Ohrenschleifer und Grashüpfer.

"Ich habe ein paar Bestäuber gefunden, eine Biene, einige Fliegen, jetzt sind hier eher Spezies, die die Samen essen, die Blätter, die Stängel, aber in ein paar Wochen werden sie hier auch Orte finden, an denen sie überwintern können."
Jamie Robins, Buglife

Aber noch andere Arten kehren offensichtlich zurück: In Bristol hat sich eine wilde Bienenart wieder angesiedelt, die in Großbritannien vom Aussterben bedroht ist. Weil sie fast nur den Nektar wilder Möhren braucht. Und genau diese wilden Möhren bauen Freiwillige in Bristol an.

  • Moderation:  Nik Potthoff
  • Gesprächspartnerin:  Sandra Pfister, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin