Wir bestellen und verschicken zu viele Pakete. Die Folge: Zusteller verstopfen mit ihren Kleinlastern die Innenstädte und könnten es sich bald etwas kosten lassen, unsere Weihnachtsgeschenke nach Hause zu liefern. 

Ob Onlineshops oder auch Paketversender: In den Wochen vor Weihnachten boomt ihr Geschäft wie zu keinem anderen Zeitpunkt des Jahres. Gut 30 Millionen Pakete mehr als in der vergangenen Weihnachtssaison sollen in diesem Jahr verschickt werden, sagt der Bundesverband Paket&Express-Logistik. Die Folge: Fachleute warnen vor einem Paketkollaps in Deutschland. Und das könnte spürbare Folgen haben: zum Beispiel, dass die Paketzusteller gar nicht mehr zu uns nach Hause kommen.

"In der Zukunft könnte es so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent extra kostet", zitiert zum Beispiel die Wirtschaftswoche den Geschäftsführer des Paketzustellers DPD.

Paketkollaps kann schnell kommen

Auch Hermes ist davon überzeugt, dass die Lieferung an Paketshops oder Paketkästen an Bedeutung gewinnen wird. Entschieden ist allerdings noch nichts in diese Richtung, sagt unser Netzautor Andreas Noll. Wir befinden uns noch am Anfang der Diskussion. 

Aber der Paketkollaps könnte schneller kommen als gedacht, wenn das Wachstum so rasant weitergeht. 30 Millionen Pakete mehr in diesem Jahr – nur in der Weihnachtszeit. Auf das Gesamtjahr 2016 gerechnet, sprechen wir von mehr als drei Milliarden Paketen, die ausgeliefert wurden. Bis 2021 sollen es eine Milliarde Sendungen mehr werden. Irgendwann stößt das natürlich an Grenzen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bringt daher eine Bündelung der Zustellung ins Spiel. Soll heißen: Die Onlineshops verschicken ihre Pakete mit den unterschiedlichen Diensten an Sammellager am Stadtrand. Und die letzte Meile übernimmt dann ein Paketzusteller. 

Dann kommen die Pakete von UPS, DPD, DHL und Hermes am Ende von einem Paketzusteller und statt vier großer Lieferwagen verstopft dann nur ein Wagen die Straßen. Marktführer DHL kann sich das auch vorstellen, aber die Konkurrenten winken ab. Sie haben Angst, dass es zu Qualitätseinbußen kommt.

"Das Grunddilemma bleibt: Zu viele Pakte auf zu wenig Raum in den großen Städten."
Andreas Noll, Netzreporter

Einer für alle – das würde auch bedeuten, dass wir uns nicht mehr beim Paketversender beschweren könnten, wenn wieder eine Karte in den Briefkasten geworfen wurde, obwohl wir zu Hause waren - die Zuständigkeiten würden also verwischt.

Probleme nur verlagern

Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Probleme nur verlagern. Wenn alle ihre Pakete vom Paketshop abholen, gibt es dort zu bestimmten Zeiten Megastaus. Schon jetzt sind viele Shops vor Weihnachten so voll, dass Abholer ziemlich lange auf ein Paket warten müssen. Vielleicht brauchen wir auch Paketshops auf der grünen Wiese mit vielen Parkplätzen.

"Das Drohnen unsere Pakete ablegen und wieder starten - ich glaube, darauf müssen wir noch ein bisschen warten."
Andreas Noll, Netzreporter

Innovative Zustellmethoden wie Drohnen oder Paketroboter könnten den ein oder anderen Engpass abfedern – oder E-Lieferwagen zumindest die Luftqualität verbessern. Das Grunddilemma bleibt allerdings – viele Pakete auf zu wenig Raum. Und dass Drohnen die Pakete dann vor unserer Tür ablegen und wieder losfliegen, das dauert wohl noch.