In Ägypten sind über 40 Prozent der Menschen unter 20 Jahren. Viele von ihnen kämpfen gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Eine Chance dem zu entkommen, ist sich selbstständig zu machen mit einer Bäckerei, einem Tee- oder Gemüseladen. Doch solch ein Unternehmen anzumelden, dauert viel zu lang und kostet viel Geld. Deshalb arbeiten viele informell, also am Staat vorbei - ohne Papiere, ohne Rechte, ohne Steuern zu zahlen. Elisabeth Lehmann berichtet aus Kairo.

Ahmed Elwan ist 36. Seit 20 Jahren macht er sein Geld als Straßenhändler. Er ist verheiratet. Sein Einkommen reicht, um seine Familie zu ernähren. Aber es reicht nicht, um Geld zu sparen, um sich einen Laden aufzubauen. Elwan wird Straßenhändler bleiben und damit in der Illegalität.

Eine Legalisierung ist entscheidend

Nicht nur Straßenhändler arbeiten in Ägypten illegal. Das heißt, sie haben keine Papiere, zahlen keine Steuern, sind aber auch nicht sozial abgesichert. Schattenwirtschaft ist hier das Schlagwort. Diese macht etwa 40 Prozent der Gesamtwirtschaft Ägyptens aus.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Unter anderem trägt die ägyptische Bürokratie dazu bei. Eine Bäckerei, eine Schneiderei oder Gemüseladen offiziell anzumelden, dauert teils über ein Jahr und kostet viel Geld. Geld, das die Menschen nicht haben.

"Ich will doch nur meine Familie ernähren. Ich respektiere die Kunden, ich respektiere den Präsidenten."
Ahmed Elwan, Straßenhändler in Kairo

Sherif El Diwany, Wirtschaftswissenschaftler vom Ägyptischen Zentrum für ökonomische Studien, sieht die Lösung für die die Legalisierung der Wirtschaft deshalb auch in Gesetzesänderungen. "Man muss es den Kleinunternehmern leichter machen, ein Geschäft anzumelden", sagt El Diwany.

Ein legaler Rahmen für die vielen Kleinunternehmer, die dann Steuern zahlen würden, könnte die ägyptische Wirtschaft um 2 Prozent jährlich wachsen lassen - so Ökonomen. Auch für die Kleinunternehmer ist eine Legalisierung wichtig. Die Polizei kann sie nicht mehr einfach vertreiben und sie fühlen sich als Teil der Gesellschaft. Immerhin tun sie alles, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und ihre Familien zu ernähren.

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