Wir lieben unsere Wälder, gehen wandern, spazieren, joggen, fahren Rad oder wollen uns einfach nur entspannen - allein oder zu zweit. Doch so unbeschwert können wir uns seit ein paar Jahren nicht mehr im Wald bewegen - geschätzte 50.000 Kameras hängen in den Wäldern. Eine Wildkamera in Österreich verursachte gar einen Politskandal, weil sie zwei Politiker beim Tête-à-Tête beobachtete. Datenschützer schlagen Alarm.

Die Jäger geben sich ganz unbedarft, mehr als ihr Wild zu beobachten, hätten sie doch gar nichts im Sinn. Weil durch das erhöhte Publikumsaufkommen in den Wäldern die Tiere immer scheuer würden und sich nur noch sehr früh oder spät blicken ließen, bräuchten sie die Kameras genau für diese Zeiten zur Wildbeobachtung. Für Menschen, die sie dabei zufällig filmen, würden sie sich gar nicht interessieren.

Wilderfassung

Die Kameras sind mit einem Bewegungsmelder ausgestattet, der die Aufnahme auslöst. Die Fotos liefern den Jägern wertvolle Daten über Alter und Anzahl der Tiere - aber auch noch viel mehr.

Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Nur in Ausnahmefällen erlaubt das Bundesdatenschutzgesetz Kameras im Wald, um zum Beispiel seltene Tiere wie Wildkatzen zu beobachten oder Schonungen vor Wildbefall zu schützen. Diese überwachten Bereich sind eingezäunt und kenntlich gemacht. Die Jäger bringen ihre Kameras illegal an und kenntlich machen sie ihre Überwachungsbereiche schon gar nicht.

Datenschützer fordern strenges Einschreiten

Die Piratenpartei in Schleswig-Holstein fordert die Landesregierung auf, gegen die illegalen Kameras einzuschreiten. Es sei nicht einmal bekannt, wie viele dieser Kameras in den Wäldern angebracht seien. In Rheinland-Pfalz drohen Datenschützer den Jägern jetzt mit saftigen Bußgeldern. Und der Bürgermeister von Hachenburg, Peter Klöckner, hat im vergangenen Jahr die Verträge mit den Jagdpächtern dahingehend verändert, dass Wildkameras grundsätzlich verboten sind. Nach einem Bericht des BR führte eine Wildkamera aber nicht nur zum Skandal über das Schäferstündchen zweier Politiker. Ein Mann aus dem Landkreis Rosenheim wurde zufällig in der Nähe eines Tatorts gefilmt und wurde so zum Tatverdächtigen.