Aus drei Mobilfunknetzen in Deutschland könnten bald vier werden. 1&1 will zusätzlich zu Telekom, Vodafone und Telefonica ein neues Netz aufbauen. Das ist aber nicht ganz so einfach und die Firma ist dabei auf die Hilfe der Konkurrenz angewiesen. Netzreporter Konstantin Köhler erklärt, woran es hakt.

Hinter der Marke 1&1 steht das Unternehmen United Internet aus Rheinland-Pfalz. Die Firma bietet vor allem DSL an, aber auch Mobilfunkverträge. Doch bisher hat 1&1 eben keine eigene Infrastruktur für den Mobilfunk, sondern nutzt die Netze von Telekom, Vodafone und Telefonica – und zahlt dafür.

2019 hat 1&1 für etwas mehr als eine Milliarde Euro Frequenzen für das neue 5G-Netz ersteigert, so Netzreporter Konstantin Köhler. Mit ein Grund, warum 1&1 ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen will. Wenn alles nach Plan läuft, könnte es im Mai damit losgehen.

Der Aufbau eines Mobilfunknetzes dauert

Doch ein komplett neues Mobilfunknetz aufzubauen dauert. Und zwar auch für die Kunden und Kundinnen. Denn zu Beginn haben nicht alle überall Empfang. "Was ein ziemlich unattraktives Angebot wäre", sagt Konstantin Köhler. Dieses Problem hatte die Bundesnetzagentur bei der Frequenzvergabe schon mitbedacht und eine Lösung geliefert: Telekom, Vodafone und Telefonica sollen ihre Netze für 1&1 nutzen, solange der Netzausbau dauert und eine ausreichende Netzabdeckung gewährleistet ist.

"An diesem Punkt befinden wir uns gerade: 1&1 verhandelt über die Mitbenutzung der bestehenden Netze."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Doch die Gespräche mit Telekom und Vodafone laufen für 1&1 wohl nicht so gut, sagt Konstantin. Die Verhandlungen mit Telefonica scheinen erfolgversprechend: 1&1 liegt ein Angebot vor. Falls sich die beiden Firmen einigen können, könnte 1&1 im Mai tatsächlich mit dem Ausbau eines eigenen 5G-Netzes beginnen.

Wann dieses vierte Netz tatsächlich fertig ist, steht aber in den Sternen. Denn 1&1 hat beim Netzaufbau ein Beschaffungsproblem, wie die anderen Anbieter auch. Man ist sich unsicher, ob man die Netzwerk-Technik des chinesischen Herstellers Huawei nutzen will. "Es gibt zwar Alternativen zu Huawei, aber die sind nicht immer verfügbar oder besonders teurer", sagt Konstantin Köhler.

Ein viertes Netz bringt mehr Wettbewerb, aber vielleicht auch weniger Investitionen

Ein weiteres Netz würde auch mehr Konkurrenz und Wettbewerb bringen. Oft führt das zu einem besseren Angebot und/oder weniger Kosten. Aber in diesem Fall könnte es auch anders laufen.

"Speziell beim Netzausbau ist das so eine Sache", so Konstantin. "Denn die Kosten für den Ausbau sind hoch." Falls die anderen Anbieter nun Kunden und Kundinnen verlieren, könnte es sein, dass sie dann weniger Geld in den Ausbau der Netze investieren.